2 Tote, 2 angeschossene Studenten & 49.000 eingesperrte Menschen— Donnerstag, 24.11.2022

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Gestern Abend erlag Mohammad Herzallah (30) seinen schweren Kopfverletzungen, nachdem er von israelischen Soldat:innen bei einer Militärrazzia am 24. Juli 2022 in der besetzten Stadt Nablus im Westjordanland angeschossen worden war. Eine Kugel traf ihn im Kopf. Er wurde in Krankenhäusern in Nablus, Bethlehem & Ramallah mehrfach operiert, bevor er seinen Verletzungen erlag.

2013 wurde Herzallah von Israel festgenommen & verbrachte eineinhalb Jahre in einem israelischen Besatzungsgefängnis.

Ebenfalls gestern Abend ist der junge Palästinenser Muhammad Abu Koshk (22) seinen Verletzungen erlegen, die er letzten Dienstag bei einer Militärrazzia von israelischen Soldat:innen & Siedler:innen in Nablus durch scharfe Munition der israelischen Besatzungstruppen erlitten hat. Bei dem gleichen Vorfall töteten israelischen Soldat:innen den erst 16-jährigen Ahmad Amjad Shehadeh durch einen Brustschuss.

Die Zahl der durch israelische Soldat:innen & Siedler in diesem Jahr getöteten Palästinenser:innen liegt somit bei mindestens 202, darunter 51 Kinder.

Bei einem Angriff der israelischen Besatzungstruppen auf Studierende der Palästinensischen Technischen Universität Kadoorie in besetzten Tulkaram wurden heute 2 Student:innen durch scharfe Munition verletzt, zahlreiche weitere erlitten schwere Atemnot durch aggressives Tränengas. Israelische Besatzungssoldat:innen hatten Tränengaskanister, scharfe Munition & gummiummantelte Stahlgeschosse auf die Studierenden abgefeuert. Die Studierenden wurden nach dem Angriff aus der Universität an einen sichereren Ort evakuiert, einige wurden im nahegelegenen Thabet-Krankenhaus behandelt.

Israelische Streitkräfte führen regelmäßig Razzien & Angriffe in palästinensischen Universitäten durch.

Die israelische Armee hat heute die Stadt Jenin im besetzten Westjordanland abgeriegelt & den Verkehr von Waren & Gütern “bis auf weiteres” unterbunden, wie die offizielle palästinensische Nachrichtenagentur WAFA berichtete. In Jenin leben etwa 49.000 Menschen. Palästinensische Arbeiter:innen durften heute nicht von Jenin auf israelisches Gebiet fahren, genauso konnten palästinensische Arbeiter:innen von außerhalb Jenin die Stadt nicht betreten.

Israel hat die heute die Militärcheckpoints Al Jalama & Salem, die nach Jenin führen, in beide Richtungen geschlossen. Die Stadt ist somit abgeriegelt. Jenin, besetztes Westjordanland, 24.11.2022 (Foto: WAFA)

Die Kollektivstrafmaßnahme erfolgt vor dem Hintergrund der Spannungen, die aktuell in Jenin aufgetreten sind, insbesondere seit palästinensische Widerstandskämpfer vor 2 Tagen die Leiche eines israelischen Jugendlichen zurückhielten, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, in der Annahme, er sei ein Soldat der israelischen Besatzungsarmee. Palästinensische Radiosender berichteten, dass palästinensische Kämpfer die Leiche des Jugendlichen im Flüchtlingslager Jenin festhielten & damit die “Freilassung der Leichen von Märtyrern” forderten, die von Israel z.T. seit Jahren festgehalten werden.

Es handelt sich um eine jahrelange Praxis Israels Leichen palästinensischer Opfer von Soldatengewalt zurückzuhalten & somit eine Bestattung zu verhindern. Für die betroffenen Familien stellt dies eine kollektive Bestrafung dar, die gegen das humanitäre Völkerrecht verstößt. Der traumatische Verlust eines geliebten Menschen kann ohne eine Beerdigung lange nicht verarbeitet werden. Wird der Leichnam nach langer Zeit endlich doch von den israelischen Behörden freigegeben — teilweise erst nach Jahren — reißt das erlittene Trauma erneut auf. Aktuell hält Israel immer noch die Leichen von ca. 104 palästinensischen Getöteten zurück, die seit 2015 von seiner Besatzungsarmee getötet wurden. Die Praxis betrifft palästinensische Männer, Frauen & auch getötete Kinder.

Laut israelische Medien wurde die Leiche des jugendlichen Israeli nach Gesprächen, die von der Palästinensischen Autonomiebehörde unter Vermittlung der UN geführt wurden, mittlerweile der israelischen Zivilverwaltung übergeben.

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