“Alles, was ich heute wollte, war ein Kuss auf deine Stirn” — Weekly Summary, 15.07.2021

Eine Mutter darf nicht Abschied von ihrer Tochter nehmen, Tausende andere tragen sie in Solidarität zum Grab. Ein Bericht zeigt, wie Siedler & Soldaten zusammenarbeiten, um zu töten, ein anderer zeigt, wie Gazas Geundsheitssystem systematisch zerstört wird. Das und noch viel mehr: Was in der Woche vom 08.07. — 15.07.2021 im historischen Palästina geschah

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Westjordanland

Getötet: Ein 25-jähriger Palästinenser wurde heute getötet sowie 2 weitere verletzt, als ein Blindgänger der israelischen Armee nördlich des besetzten Ramallah explodierte. Die Identität der Verletzten sowie des Getöteten sind noch nicht bekannt.

Besatzungsalltag: Die israelische Besatzungsarmee fiel 126 Mal in Ortschaften des Westjordanlandes, einschließlich des besetzten Jerusalem, ein. Diese Übergriffe beinhalteten erneut willkürliche Razzien in zivilen Wohnhäusern, Verhaftungen sowie Schießereien der Soldat*innen, die Angst unter der Zivilbevölkerung hervorriefen. Während der Übergriffe in dieser Woche wurden 72 Palästinenser:innen verhaftet, darunter 3 Kinder, eine Frau, ein Fotograf & ein Journalist.

45 Studierenden zusammen festgenommen: In einem weiteren eklatanten Verstoß gegen Menschenrechte verhaftete die Besatzungsarmee am Mittwoch, den 14. Juli 2021, 45 Studierende der Birzeit Universität, nachdem sie ihnen an einem temporären Militärcheckpoint bei Ramallah aufgelauert hatten. Sie kamen gerade von einem Solidaritätsbesuch beim Haus des palästinensischen Gefangenen Montaser Shalabi zurück, welches die Besatzung am 08. Juli 2021 gesprengt hatte, um auch seine Familie zu bestrafen. Zwölf Studierende wurden später freigelassen, während die anderen bis heute in Gewahrsam sind.

In der Zwischenzeit teilt die israelische Besatzung das Westjordanland weiterhin in getrennte Zonen auf, deren Verbindungsstraße von der Besatzung seit dem Jahr 2000 blockiert werden & mit hunderten temporären & permanenten Militärcheckpoints versehen sind. Sie schränken die Bewegungsfreiheit von ausschließlich palästinensischen Zivilisten massiv ein, außerdem können sie hier willkürlich verhaftet werden. Diese Woche errichtete die Armee 50 neue temporäre Militärcheckpoints & verhaftete 2 palästinensische Zivilisten an diesen.

Siedlungsbau & Siedlergewalt: Die israelische Innenministerin Ayelet Shaked erklärte diese Woche, dass der Bau neuer Siedlungen nicht eingefroren werden wird. Im Gegenteil: Die neu gewählte Regierung kündigte Pläne zum Bau von 510 neuen Wohneinheiten in den völkerrechtswidrigen Siedlungen um das besetzte Bethlehem an.

Siedler rund um das besetzte Nablus schossen diese Woche den palästinensischen Schafhirten Mamoun Nassar (49) an, zerstörten über 150 Olivenbäume & somit die wirtschaftliche Grundlage zahlreicher palästinensischer Farmer& beschädigten das Stromnetz. Weitere Angriffe von Siedlern gegen Palästinenser:innen an anderen Orten des Westjordanland wurden registriert, Todesopfer gab es dabei nicht. Ebenso stürmten & provozierten zahlreiche Siedler:innen mit israelischen Soldat:innen erneut die A Aqsa-Moschee & störten die Ruhe des dritt heiligsten Ortes des Islam, dessen Zerstörung sie fordern.

Gemeinsame Milizen: Soldat:innen & Siedler töten gemeinsam Palästinenser: Unter dem Titel “Gemeinsame Milizen: Wie Siedler und Soldaten sich zusammentaten, um vier Palästinenser zu töten” berichtet ein investigativer Bericht der israelischen Website “Local Call” mit Videos & Bildern, wie an einem einzigen Tag im Mai 2021 israelische Siedler & Soldaten bei Angriffen gegen Zivilist:innen zusammenarbeiteten, bei denen 4 Palästinenser getötet wurden.

Widerstand: Am Dienstagabend wurde ein israelischer Soldat an einem Militärcheckpoint nördlich von Jerusalem angeschossen & verletzt. Die israelische Polizei gab später die Verhaftung eines 36-jährigen Palästinensers bekannt, der den Anschlag verübt haben soll.

Palästinenser:innen in Beita & Qasra setzen ihre täglichen Proteste gegen die neuen Siedlungen in der Nähe ihrer Dörfer fort. Auch in vielen anderen Städten & Dörfern wird seit Jahren jede Woche gegen Landraub, die Trennmauer zwischen Westjordanland & Israel sowie andere israelische Maßnahmen & Besatzung demonstriert.

Politische Gefangene

4 palästinensische Gefangene befinden sich im Hungerstreik gegen ihre Verhaftung ohne Prozess & Anklage.

Khalida Jarrar, Anwältin, Mitglied der politischen Führung der sozialistischen PFLP & seit 2 Jahren politische Gefangene in einem israelischen Besatzungsgefängnis, wurde verboten, ihre tote Tochter zum letzten Mal zu sehen. Suha, die Tochter von Khalida, starb in dieser Woche plötzlich im Alter von 31 Jahren. Der Mutter wurde von der Besatzung weder erlaubt, an der Beerdigung ihrer eigenen Tochter teilzunehmen, noch durfte sie den Leichnam im Gefängnis für einen letzten Blick, Kuss & Umarmung sehen. Die Mutter schrieb einen sehr berührenden Abschiedstext. “Verzeih mir, meine geliebte Tochter. Alles, was ich heute wollte, war ein Kuss auf deine Stirn & dir zu sagen, dass ich dich so sehr liebe, wie ich Palästina liebe […] Dich zu vermissen ist sehr schmerzhaft. Aber sie werden mich nicht brechen”. An der Beerdigung der Menschenrechtsaktivistin Suha nahmen Tausende Menschen teil.

Oben rechts: Suha mit ihrer Mutter, nach dem diese aus dem Gefängnis entlassen wurde, unten links: Suha. Sie wurde diese Woche ohne ihre Mutter bestattet.

Freiluftgefängnis Gaza

Der Gazastreifen leidet immer noch unter der Totalblockade der israelischen Besatzung. Die totale Abriegelung hält nun das 15. Jahr in Folge an, ohne jegliche Verbesserung des Personen- & Warenverkehrs, der humanitären Bedingungen & mit katastrophalen Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens. Die Menschen dürfen ohne israelische Genehmigung weder ein- noch ausreisen, es darf nicht exportiert werden, importiert werden darf nur wenig, die Resultate sind Massenarbeitslosigkeit, ein kollabiertes Gesundheitswesen & Lebensmittelknappheit. Seit der militärischen Aggression Israels gegen den Gazastreifen im Mai 2021 hat Israel die Beschränkungen für die Einfuhr von Gütern & Rohstoffen sowie die Beschränkungen für die Bewegungsfreiheit von Personen verstärkt. Bis jetzt gibt Israel keinen Hinweis auf eine Lösung in der Zukunft, wodurch die Bevölkerung des Gazastreifens ihrer wirtschaftlichen, sozialen & kulturellen Rechte weiter beraubt wird.

Schüsse und Verhaftungen: Im Gazastreifen hat die israelische Armee erneut Farmer beschossen. Auch ein Fischer wurde auf seinem Boote auf See von israelischer Marine beschossen. Im Gazastreifen verhaftete die israelische Armee 3 Palästinenser, darunter ein Kind, als sie versuchten, den Grenzzaun zu überqueren. 2 wurden später wieder freigelassen, darunter das Kind.

Lockerungen: In dieser Woche lockerte die israelische Regierung ihre Beschränkungen für den Waren- & Personenverkehr, die seit der Militäraggression auf den Gazastreifen im Mai durchgesetzt wurden, & erweiterte das Gebiet, in dem Palästinenser fischen dürfen, von 9 auf 12 Seemeilen. Diese Lockerungen betreffen nur bestimmte Waren & den Personenverkehr nur in bestimmten Fällen.

Israels gezielte Beschädigung des Gesundheitssystems: Ein Bericht der in London ansässigen Institution „Impact International“ sprach von absichtlicher massiven Beschädigung des Gesundheitswesens in Gaza während der israelischen Luftangriffe auf Gaza im vergangenen Mai.

Israelische Luftangriffe haben 9 Krankenhäuser & 19 Zentren für die medizinische Grundversorgung im Gazastreifen beschädigt. Bei den Angriffen wurden auch 2 Ärzte getötet & viele weitere Mitarbeiter des Gesundheitswesens verletzt. Das Gesundheitssystem im Gaza-Streifen, das ohnehin schon überlastet & unterfinanziert war und dem es [durch die jahrelange Belagerung] an Medikamenten & Ausrüstung mangelt, hat nun Mühe, die täglichen Grundbedürfnisse zu erfüllen… Auch das wichtigste COVID-19-Testlabor wurde von israelischen Streitkräften angegriffen, was zu einem mehrtägigen Stopp aller COVID-19-Tests führte.“

Systematische Vertreibung

Allein in Jerusalem hat Israel im Jahr 2021 schon 62 Gebäude zerstört. Weitere 100 Häuser sollen in Silwan abgerissen werden, 86 Familien droht die Evakuierung zugunsten der illegalen Siedler:innen in der Nachbarschaft & weiteren 28 Familien in Sheikh Jarrah steht ein ähnliches Schicksal bevor.

Allein diese Woche hat die Besatzung in Ostjerusalem ein 4-Familien-Wohnhaus & eine Schafscheune abgerissen, weitere 8 Häuser wurden auf israelische Anordnung hin von den palästinensischen Familien selbst abgerissen. Da die Besatzung den illegitimen Abriss den betroffenen Familien in Rechnung stellt, bleibt ihnen oft nichts anderes übrig, andernfalls droht ihnen mehr als 50.000 Euro Strafe — zusätzlich zur Obdachlosigkeit wäre dies der finanzielle Ruin für die Familien.

Im Westjordanland hat die israelische Armee weitere Gebäude abgerissen, darunter 11 Baracken, von denen 5 als Wohngebäude& die anderen für kommerzielle Zwecke genutzt wurden. Eine Abrissverfügung gegen einen palästinensischen Friedhof wurden ebenfalls ausgestellt sowie die Beschlagnahmung einer palästinensischen Gesundheitsklinik angeordnet.

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