Danke für die Blumen — Weekly Summary, 25.11.2021

3 Hungerstreiker beenden erfolgreich ihren Hungerstreik gegen Willkürhaft, 3 weitere Hungern noch für ihre Freiheit & mehr Rechte, einer von ihnen seit über 100 Tagen. Einem ehemaligen politischen Gefangenen überreicht die Besatzung eine Verhörvorladung per Blumenstrauß an seinem Hochzeitstag. Ein Palästinenser tötet einen Siedler, verletzt 2 weitere sowie 2 Besatzungssoldaten. Zahlreiche Angriffe von Siedler:innen, auch mit Schusswaffen, gegen Palästinenser:innen. Besatzungsbehörden treiben erneut Familien in die Obdachlosigkeit. In Israel selbst wird ein Beduinendorf, älter als Israel, zum 195. Mal zerstört. Das & mehr, was in der Woche vom 18. — 24.11.2021 im historischen Palästina passierte:

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Politische Gefangene

Der Palästinenser Kayed Al Fasfous hat am Montag, dem 22. November, seinen Hungerstreik erfolgreich beenden können. Nach 131 Tagen des Hungerns gegen seine Administrativhaft hat ihm die Besatzung nun endlich seine Freilassung für den 14.12.2021 garantiert. Ihm steht nun ein langer Weg der Genesung bevor, denn der Hungerstreik hat seine Spuren hinterlassen: Massiver Gewichtsverlust auf nur noch etwas über 40 kg, eingeschränktes Sehvermögen & Herz-Rhythmus-Störungen sind einige der Beschwerden, unter denen er aktuell leidet.

Kayed Al Fasfous mit seiner Tochter nach Ende von 131 Tagen Hungerstreik.

Auch Ayyad Al Hureimi hat nach 60 Tagen Hungerstreik gegen seine Administrativhaft einen Deal mit Besatzung erreicht — er wird in 4 Monaten entlassen werden. Nach 61 Tagen Hungerstreik beendete auch Ayyad Harimi, seinen Hungerstreik, nachdem die israelischen Besatzungsbehörden zusicherten, ihn im März 2022 endlich freizulassen.

Aktuell befinden sich 2 palästinensische politische Gefangene im Hungerstreik gegen ihre Administrativhaft:

  • Hisham Abu Hawash (101 Tage)
  • Loay Alashqar (46 Tage)

Administrativhaft bedeutet Willkürhaft ohne Nennung von Gründen oder Beweisen & ohne Gerichtsurteil oder Anklage. Sie ist beliebig oft ohne Angaben von Gründen verlängerbar & wird nur gegen Palästinenser:innen verhängt. Diese Praxis verstößt gegen Menschenrecht & wird von der UN verurteilt.

Ebenfalls im Hungerstreik befindet sich Fikri Mansour. Er protestiert gegen seine Haftbedingungen: Seit langem befindet er sich mit gefesselten Füßen & Händen in Isolationshaft & darf keinen Familienbesuch erhalten.

Dem ehemaligen politischen Gefangenen Mahdi Badawneh ließ die Besatzung gestern eine Vorladung zum Verhör zukommen. Die Besatzer steckten diese in einen Blumenstrauß & schickten sie so zu seiner Hochzeit am selben Tag.

An seinem Hochzeitstag schickte die israelische Besatzung dem palästinensischen Bräutigam Mahdi Badawneh aus Bethlehem am 24.11.2021 einen Blumenstrauß mit Vorladung.

Westjordanland

Getötet: Am Sonntag, dem 21. November, wurden ein israelischer Siedler getötet & 2 weitere Siedler sowie 2 israelische Soldaten verletzt, als sie von dem Palästinenser Fadi Abu Shkheidem (42) im besetzten Jerusalem angeschossen wurden. Der Palästinenser Shkheidem wurde vor Ort getötet. Stunden später verkündete die Hamas, Shkeidem sei Hamas-Mitglied gewesen.

Der getötete Siedler, Eliyahu David Kay, war vor wenigen Jahren aus Südafrika nach Israel gezogen & hat freiwillig in der Besatzungsarmee gedient. Er arbeitete danach als Tourguide für eine Siedlerorganisation & lebte im besetzten Jerusalem.

Der getötete südafrikanische Siedler & ehemalige Besatzungssoldat Eliyahu David Kay.

Der Palästinenser Shkheidem stammt aus einer Flüchtlingsfamilie, hat einen Masterabschluss, war Lehrer & einst Gefangener der Besatzung. Sein Wohnviertel, Schule & Familienhaus wurden nach dem Angriff von Soldat:innen überfallen. Das ganze Viertel wurde mit aggressivem Tränengas überzogen, Anwohner:innen belästigt, eingeschüchtert & attackiert sowie das Wohnhaus des Angreifers verwüstet. Seine Tochter Aya, sein 7-jähriger Sohn Adullah, sein Bruder sowie sein Neffe wurden gleich nach dem Anschlag verhaftet.

Unter anderem die Kinder Fadi Abu Shkheidems wurden unmittelbar nach seinem Angriff durch Besatzungskräfte verhaftet. Besetztes Jerusalem, 21.11.2021

Alltag: Zwischen dem 18. & 24.11.2021 fiel die israelische Besatzungsarmee 113 Mal in Ortschaften des Westjordanlandes, einschließlich des besetzten Jerusalem, ein. Diese Übergriffe beinhalteten erneut willkürliche Razzien in zivilen Wohnhäusern, Verhaftungen sowie Schießereien der Soldat:innen, die Angst unter der Zivilbevölkerung hervorriefen. Auch der palästinensische Bürgermeister Jerusalems sah sich erneut mit Besatzungssoldat:innen konfrontiert, die sein Haus stürmten & randalierten. Dabei schlugen sie auch die anwesenden Kinder, Älteren & Frauen. Während der Übergriffe in dieser Woche wurden 73 Palästinenser:innen willkürlich verhaftet, darunter 3 Frauen & 7 Kinder.

Überfall der Besatzungsarmee auf das Haus des palästinensischen Bürgermeisters Jerusalems.
Israelische Besatzungssoldat:innen griffen auch heute wieder palästinensische Schüler:innen auf dem Weg zur Schule an. Mindestens 60 von ihnen erlitten Atemnot durch aggressives, auf sie abgefeuertes Tränengas. Besetztes Lubane Sharkiya, Westjordanland, 25.11.2021

Während ihres Rückzugs nach einem Überfall auf ein Viertel in Ramallah feuerte die Besatzungsarmee ein Gummigeschoss auf den Journalisten Maher Shaher Haroun (20) ab & verletzte ihn am Knie. Maher wurde noch vor Ort behandelt: “Um ca. 04:45 Uhr, als ich über die Vorfälle auf der Hauptstraße des Viertels ‘Ein Monjed berichtete, feuerte die Armee während ihres Rückzugs aus dem Viertel direkt ein Gummigeschoss auf mein Knie ab, obwohl ich eine Weste mit PRESSE-Kennzeichnung trug & mich von den Zusammenstößen entfernt hatte. Als ich merkte, dass ich verletzt war, versuchte ich, mich auf den Boden zu setzen, weil ich nicht laufen konnte. Wie sich später herausstellte, wurde ich von einem Gummigeschoss unterhalb des Knies getroffen.”

Am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen haben Palästinenser;innen heute in der besetzten Stadt Nablus im Westjordanland an einer Mahnwache zur Unterstützung der palästinensischen Frauen teilgenommen, die in israelischen Gefängnissen inhaftiert sind. Besetztes Nablus, 25.11.2021

Viele dieser Übergriffe der Besatzer stießen auf Widerstand der Bevölkerung, meist nur durch Steine & Feuerwerkskörper der Bewohner:innen, die gegen Armeefahrzeuge geworfen werden, in einigen Fällen auch Molotow-Cocktails.

Jede Form von Protest gegen die völkerrechtswidrige Besatzung, Landraub & Vertreibung wurde von der Besatzung mit massiver Gewalt beantwortet, es kam zu zahlreichen Verletzten, darunter auch Kinder.

Systematische Vertreibung: Im gesamten Westjordanland wurden diese Woche wieder palästinensisches Wohneigentum sowie wirtschaftliche Einrichtungen zerstört. Darunter 2 landwirtschaftliche Einrichtungen in Jerusalem, ein Friedhof in Yatta, eine Straße nahe Nablus sowie ein Wohnhaus in Al Khalil (Hebron). In Jerusalem wurden das Wohnhaus von von Mohammed & Amjad Rabayah im Stadtteil Wadi Al Hummus im Jerusalemer Dorf Sourbaher abgerissen. Dies geschah unter dem Vorwand, die Häuser seien zu nahe an Israels “Sicherheitsmauer” gebaut — diese Trennmauer zwischen Israel & dem Westjordanland ist völkerrechtswidrig, der Internationale Gerichtshof fordert in einem Urteil aus dem Jahr 2004 deren Abriss. Stattdessen werden jedoch Felder & Häuser von Palästinenser:innen zerstört & weiteres Land durch die Mauer enteignet.

Die Rabayah Brüder haben vor vier Jahren die Häuser errichtet. Einer von ihnen heiratet in 4 Monaten & wollten dort mit seiner Frau einziehen. Das beherbergte die 10-köpfigen Familie, einschließlich der Mutter, des anderen Bruders. Sie alle sind nun obdachlos & werden von der Besatzung nicht entschädigt. Sie berichten, dass der Moment, in dem die israelischen Bulldozer einrückten, um die Häuser der Familie abzureißen, die schwerste Zeit war, die sie in ihrem ganzen Leben erlebt hat. Die Armee riss die Häuser mitsamt den Möbeln & dem Inventar ab & planierte das mit Bäumen bepflanzte Land, das zwischen den beiden Gebäuden liegt. Sie rissen in wenigen Minuten all das ab, wofür die Brüder 18 Jahre lang sparen mussten, um es aufzubauen.

Als Vorwand für den Abriss von palästinensischem Eigentum werden meist Sicherheitsbedenken oder fehlende Baugenehmigungen herangezogen. Diese verweigert die Besatzung Palästinenser:innen in nahezu allen Fällen, außerdem investiert die Besatzung nicht in die arabische Infrastruktur. Gleichzeitig errichtet sie illegale Siedlungen für ausschließlich jüdische Israelis, während zahlreiche palästinensische Wohnhäuser, Farmen & Geschäfte zerstört & die Menschen so nicht nur entschädigungslos obdachlos gemacht, sondern auch ihrer wirtschaftlichen Lebensgrundlage beraubt werden. Die UN spricht im Zusammenhang der Hauszerstörungen von Kriegsverbrechen.

Siedlergewalt: In der Morgendämmerung des 19. November zerstach eine Gruppe von Siedlern die Reifen palästinensischer Fahrzeuge im von Zwangsvertreibung bedrohten Jerusalemer Viertel Sheikh Jarrah. Seit Monaten sind die Bewohner:innen des Viertels massiven Schikanen, Repressionen, & Gewalt von Siedler:innen, Besatzungskräften & der israelischen Besatzungsjustiz ausgesetzt.

Am Sonntag, den 21. November 2021, gegen 18:00 Uhr, warf eine Gruppe von Siedlern des Siedlungsaußenpostens “Esh Kodesh” nahe dem besetzten Nablus, Steine auf den Wagen des Palästinensers Hani Mahmoud Samarah. Das Auto war auf der Qaryut Jalud-Straße unterwegs, als die Siedler die Windschutzscheibe einschlugen & die Fahrzeugfront schwer beschädigten, bevor der Fahrer in Richtung des Dorfes Qaryut fliehen konnte.

Am Montag, den 22. November 2021, griff eine Gruppe von Siedlern aus der Siedlung “Yitzhar”, ebenfalls nahe Nablus, den Rand des Dorfes Urif an & schlug die Scheiben eines Fahrzeugs mit Steinen ein.

Am 24. November griffen Siedler in der Ortschaft Al Mughayyir nahe Ramallah erneut ein palästinensisches Fahrzeug an, welches daraufhin verunfallte. Der Fahrer & sein Sohn erlitten Verletzungen. Am selben Tag feuerten Sielder Schüsse auf palästinensische Familienhäuser & Fahrzeuge in einem Dorf nahe Nablus ab.

Am 24. November griffen Siedler in der Ortschaft Al Mughayyir nahe Ramallah erneut ein palästinensisches Fahrzeug an, welches daraufhin verunfallte. Der Fahrer & sein Sohn erlitten Verletzungen.

Freiluft Gefängnis Gaza

Der Gazastreifen leidet immer noch unter der Totalblockade der israelischen Besatzung. Die totale Abriegelung hält nun das 15. Jahr in Folge an, mit katastrophalen Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens. Die Menschen dürfen ohne israelische Genehmigung weder ein- noch ausreisen, es darf nicht exportiert werden, importiert werden darf nur wenig, die Resultate sind Massenarbeitslosigkeit, ein kollabiertes Gesundheitswesen & Lebensmittelknappheit. Bis jetzt gibt Israel keinen Hinweis auf eine Lösung in der Zukunft, wodurch die Bevölkerung des Gazastreifens ihrer wirtschaftlichen, sozialen & kulturellen Rechte weiter beraubt wird.

Trotz im Mai 2021 verkündeter Waffenruhe: Die wöchentliche Angriffe auf Gazas Fischer blieben auch diese Woche nicht aus. 1 Mal eröffneten Kanonenboote der israelischen Marine das Feuer auf Gazas Fischer. Die Fischer mussten zurück an die Küste fliehen & konnten folglich ihrer Arbeit nicht nachgehen. Es handelt sich um eine jahrelange Praxis Israels, durch die die Fischererindustrie im verarmten Gazastreifen weitgehend zusammengebrochen ist. Zwei Mal marschierte zu dem die israelische Armee ein Stück weit in den Gazastreifen ein.

Israel

Auch Palästinenser:innen mit israelischer Staatsangehörigkeit innerhalb ISraels sind vor Vertreibung nicht sicher: Das palästinensische Dorf Al Araqeeb wurde diese Woche zum 195. Mal zerstört, somit sind 22 Familien bzw. 600 Einwohner:innen im nasskalten Winter obdachlos. Die Einwohner:innen von Al Araqeeb bestehen darauf, in ihrem Dorf zu bleiben & ihre Häuser trotz der israelischen Abrisse immer wieder aufzubauen. Sie lehnen es ab, wie die Bewohner:innen anderer Nachbardörfer im Negev vertrieben zu werden, die abgerissen wurden, um ausschließlich jüdische Siedlungen zu bauen. Seit Jahrzehnten versucht die israelische Regierung die indigene Bevölkerung aus dem Negev zu vertreiben. Ihre Dörfer, älter als der Staat Israel, werden von der Regierung nicht anerkannt & unter diesem Vorwand immer wieder abgerissen, um sich der dort ansässigen Bevölkerung zu entledigen.

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