Die Bomben schrumpfen Gazas Familien, Netanjahu will ungehindert am Krieg festhalten — Mittwoch, 19.05.2021

(Stand 20:00 Uhr) Gaza: 227 Palästinenser*innen getötet, darunter 64 Kinder, 38 Frauen & 17 Alte | UNRWA: Israel behindert humanitäre Hilfsgüter für Gaza | Israel will Krieg fortführen | Gesamtes historisches Palästina: Generalstreik der Palästinenser*innen sowie Proteste halten an | Israel: Insgesamt 12 Tote auf israelischer Seite durch palästinensische Raketen | palästinensischer Teenager erliegt Verletzungen durch israelische Polizei | Menschenrechtsgruppe legt Bericht über Verhaftungen von Palästinenser*innen vor | Besetztes Jerusalem & Westjordanland: Siedler erschießt Palästinenser*in, Soldat*innen schauen einfach zu, anschließend wir Waffe neben sie gelegt

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Gaza

Laut dem Gesundheitsministerium von Gaza wurden in den letzten 10 Tagen 227 Palästinenser*innen durch israelische Angriffe getötet. 64 davon waren Kinder, 38 Frauen & 17 ältere Männer. 1.620 wurden verwundet. Der Journalist Yusef Abu Hussein fiel heute einem israelischen Luftangriff zum Opfer, nach dem sein Haus im Viertel Sheikh Radwan bombardiert wurde. Auch ein junges Elternpaar, deren 2-jährige Tochter & ungeborenes Baby kamen heute ums Leben. Der Fotograf der Anadolu Agency, Mohammed Dahlan, erlitt heute Verletzungen infolge eines israelischen Bombenangriffs im Viertel Tel Al Hawa in Gaza-Stadt.

Eine israelische Mk-84, eine etwa 1t schwere Bombe, die aus der Luft abgeworfen wurde & nicht explodierte, am Montag im Zentrum von Gaza-Stadt. Photo: Samar Abu Elouf für The New York Times , belagerter Gazastreifen, 17.05.2021
Der Fotograf der Anadolu Agency, Mohammed Dahlan, erlitt Verletzungen infolge eines israelischen Bombenangriffs, Gaza, 19.05.2021

72.000 Palästinenser*innen sind aktuell obdachlos, da sie aus ihren Häusern fliehen mussten, 2.500 von ihnen haben ihre Häuser bei den Bombenangriffen dauerhaft verloren, da sie vollständig zerstört wurden. Weiterhin wurden 35 Moscheen & Kirchen in Gaza zerstört. Heute wurde zudem das Kuwaiti Krankenhaus in Rafah, im südlichen Gazastreifen, durch israelische Angriffe beschädigt.

Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) teilte heute mit, dass Israel humanitäre Hilfe daran hindert, über den Grenzübergang Karm Abu Salem in den Gazastreifen zu gelangen. Israel zwang die Lastwagen, die mit Nahrungsmittelhilfen, Medikamenten & Treibstoff beladen waren, zur Umkehr & ließ sie nicht in die seit 14 Jahren von Israel vollständig abgeriegelte Küstenenklave einreisen.

Es hat “keine Genehmigung für den kritischen Zugang zum Gazastreifen für lebenswichtige humanitäre Hilfsgüter erhalten, die der notleidenden Bevölkerung, einschließlich besonders gefährdeter Personen wie schwangere Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen & schweren Erkrankungen sowie ältere Menschen, trotz des immensen Bedarfs nach neun Tagen des Konflikts Hilfe bringen sollen.”

— UNRWA

Dieses Foto wurde in einem Krankenhaus in Gaza aufgenommen — ein Baby, das durch eine israelische Bombe schwer verletzt wurde.

Fünfzehn palästinensische Familien haben in der letzten Woche mindestens 3 & im Allgemeinen aber mehr Familienmitglieder durch israelische Angriffe des Gazastreifens verloren. Das Auslöschen ganzer Familien bei israelischen Bombenanschlägen war eines der Merkmale des Krieges im Jahr 2014. In den rund 50 Kriegstagen wurden nach Angaben der Vereinten Nationen 142 palästinensische Familien vollständig ausgelöscht (insgesamt 742 Menschen). Die zahlreichen Vorfälle damals & heute bestätigen, dass dies keine Fehler waren (so Amira Haas in Haaretz:
https://cutt.ly/jb2I)

Gaza, 19.05.2021

Die israelische Armee zerstörte während ihrer aktuellen Angriffe gegen den seit 14 Jahren von Israel vollständig abgeriegelten & unter Totalblockade gestellten Gazastreifen etwa 525 wirtschaftliche Einrichtungen, darunter etwa 50 Fabriken. In den letzten 2 Tagen fielen Artilleriegeschosse auf 9 Fabriken & Unternehmen, die in der Industriezone östlich von Gaza-Stadt tätig waren, was laut “Euro-Mittelmeer-Menschenrechtsmonitor” zu erheblichen Schäden führte. Das Industriegebiet wurde mit Unterstützung der US-amerikanischen Entwicklungsagentur (USAID), der Weltbank, der Europäischen Investitionsbank & der Europäischen Union eingerichtet.

Israel will weiter Krieg, der Druck wächst langsam

Heute morgen ließ Israel verlautbaren, es habe keinen Zeitrahmen für ein Ende der Bombardierungen Gazas festgelegt. Premierminister Netanjahu sagte sogar den Diplomaten in Israel, dass er eine Wiederbesetzung des Gazastreifens nicht ausschließt.

US-Präsident Joe Biden sagte am Mittwoch gegenüber Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, er erwarte laut dem Weißen Haus eine sofortige deutliche Deeskalation des Gaza-Konflikts. Währenddessen verkündete der israelische öffentlich-rechtliche Sender Kan 11, dass der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin seinen israelischen Amtskollegen Benny Gantz aufforderte, “die Militäroperation in Gaza zu beenden”. Auf der anderen Seite haben die USA heute zum 4. Mal in Folge verhindert, dass im UN-Sicherheitsrat eine Resolution erlassen wurde, die eine Beendigung des Krieges fordert.

Laut russischem Außenministerium warnte ein hochrangiger russischer Beamter den israelischen Botschafter am Mittwoch, dass Maßnahmen, die zu einer weiteren Zunahme der zivilen Opfer in Gaza führten, inakzeptabel seien. Ungarn hat gestern die Abgabe einer offiziellen Erklärung der EU zur Aggression gegen den belagerten Gazastreifen vereitelt. “Das Ziel ist es, die Zivilbevölkerung zu schützen & die Bereitstellung humanitärer Hilfe für Gaza zu ermöglichen”, sagte EU-Außenminister Borrell & betonte, dass diese Position von 26 der 27 Mitgliedstaaten der EU ohne Ungarn unterstützt wird. Er ist der Ansicht, dass “die hohe Zahl ziviler Opfer, darunter Frauen & Kinder, inakzeptabel ist”.

Israel

Die israelische Besatzungsarmee gab an, das in den letzten 12 Stunden etwa 200 Raketen aus dem belagerten Gazastreifen auf israelische Ziele abgefeuert wurden, weit weniger als 10% haben israelische urbane Gebiete erreicht. Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen 12 Menschen innerhalb Israels durch palästinensische Raketen getötet.

Der palästinensische Teenager Muhammad Kiwan, 17, erlag nun seinen Verletzungen, die ihm durch scharfe Munition seitens der israelischen Polizei in der letzte Woche zugefügt wurden. Er ist ein israelischer Staatsbürger aus Umm Al Faham. Die Schulen in seiner Stadt streiken ab morgen, um gegen die Straflosigkeit zu protestieren, die israelische Polizisten genießen, wenn sie einen Palästinenser*in töten.

Laut der Menschenrechtsorganisation Al Asir hat seit Anfang April die Zahl der Inhaftierten Palästinenser*innen mehr als 1.800 erreicht, darunter Kinder & Frauen sowie Verwundete & Kranke. “Die derzeitige Verhaftungsrate ist die höchste seit 2015, gemessen an der Anzahl der Inhaftierten & dem Zeitraum, in dem sie stattgefunden haben.”

Gemäß den Daten aus der Erklärung Al Asirs wurden seit dem 9. Mai dieses Jahres mehr als 900 palästinensische Bürger*innen Israels in Israel festgenommen. Die Anzahl an Festnahmen von Palästinenser*innen ohne Staatsangehörigkeit/unter Besatzung lebend im Westjordanland & Jerusalem seit Anfang April beträgt ebenfalls mehr 900. Bei ihrer Inhaftierung wendeten Besatzungstruppen verschiedenste Formen von Gewalt gegen die Häftlinge an, einige von ihnen werden noch immer in Krankenhäusern festgehalten.

Besetztes Jerusalem & Westjordanland

Tausende von Palästinenser*innen — aller politischen Parteien & Organisationen, Muslime, Christen, Atheisten — protestieren in Städten & Gemeinden im historischen Palästina wütend gegen israelischen Überfälle auf die Al Aqsa-Moschee, versuchte Vertreibungen in Ost-Jerusalems Sheikh Jarrah, tödliche rechtsextreme Gewalt in Israel & das Bombardement in Gaza, über 200 Menschen getötet hat. In Haifa, einer Stadt im Norden Israels, wurde die palästinensische Flagge auf mehreren Gebäuden gehisst, & die Bewohner*innen gingen mit Solidaritätsrufen auf die Straße. Der Generalstreik der Palästinenser*innen in Israel & im besetzten Westjordanland einschließlich Jerusalem, geht heute in seinen zweiten Tag. Zig Tausende streiken (Mehr: https://www.middleeasteye.net/news/israel-palestine-gaza-citizens-down-tools-protest-bombing-abuses).

Geschlossene palästinensischen Läden im gesamten historischen Palästina. (Photo: MEE/Latifeh Abdellatif)

“Mein Gefühl ist, dass dieser Streik für jeden einzelnen von uns wichtig ist, damit wir dieser Brutalität und den ständigen Angriffen auf uns in allen Lebensbereichen ein Ende setzen können”, sagte Hazar Hijazi, ein 45-jähriger Bildungstherapeut, in Haifa. “Genug der Angriffe auf Menschen in Gaza, im Westjordanland & in Jerusalem, in Lyyda (Lod), überall. Genug Angriffe auf unsere Häuser, unser tägliches Leben & Vertreibung. Die Vertreibung & Auslöschung unserer Existenz auf unserem Land muss aufhören, wir haben genug Repressionen, Verhaftungen & Bedrohungen für unsere Heimat & unsere Zukunft erlebt.”

Auch heute ging die Besatzung mit Gewalt gegen Demonstrierende vor & attackierte zudem die von einer ethnisch motivierten Zwangsräumung bedrohten Bewohner*innen des Jerusalemer Viertels Sheikh Jarrah.

Israelische Besatzungstruppen haben heute im besetzten Jerusalemer Stadtteil Sheikh Jarrah das Feuer auf ein palästinensisches Mädchen eröffnet & es verletzt.

Heute wurde Wafaa Albaradey (37), eine palästinensische Mutter von 5 Kindern, durch Kugeln eines Siedlers getötet. Der Vorfall ereignete sich am Eingang der illegalen Siedlung “Kiryat Arba”, die auf Land im völkerrechtswidrig besetzten Al Khalil (Hebron) gebaut wurde. Videoaufnahmen zeigen genau, wie der Siedler aus großem Abstand die Frau erschoss, während israelische Soldat*innen einfach zuschauten. Später warf der Siedler (oder Soldat*innen) eine Waffe neben sie, um ein Tatmotiv zu fingieren.

Ein Siedler erschoss heute eine junge Frau, anschließend wird ein Gewehr neben sie gelegt.

Israelische Medien behaupteten, die Frau sei mit einem Messer bewaffnet gewesen. Später hieß es, sie hätte eine Pistole bei sich gehabt, um Siedler anzugreifen. Dabei zeigen alle vorhandenen Videos des Vorfalls ganz klar keine Waffe, die Frau war weit weg & unbewaffnet. Erst später aufgenommene Bilder, als die Frau schon tot auf dem Boden lag, zeigen ein Gewehr.

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