Drei Mal plötzlich im Exil — Eine Buchempfehlung anlässlich des Todes von Mourid Barghouthi

Nach einem Leben voller politischem Kampf, Leid und endloser Liebe hat sich diese Woche einer der prominentesten palästinensischen Dichter & Intellektuellen, Mourid Barghouthi, von uns verabschiedet. Er verstarb am Sonntag, den 14.02.2021, in seinem Exil in Amman, Jordanien.

Mourid Barghouthi

Barghouthi studierte Literatur in Ägypten. Nach der Besatzung des Westjordanlandes 1967 durfte der junge Absolvent nicht in sein dortiges Heimatdorf zurückkehren und befand sich somit plötzlich, unerwartet und ungewollt von Heute auf Morgen im Exil in Ägypten. 10 Jahre später musste er wegen seines politischen Engagements auch dieses verlassen. Dabei war er gezwungen, seine geliebte Frau, die ägyptische Schriftstellerin Dr. Radwa Ashour (eine der wichtigsten arabischen Schriftstellerinnen) und seinen neugeborenen Sohn Tamim (heute ein brillianter Dichter) zu verlassen, da sie ihn nicht begleiten konnten. Die Liebe zu seiner Frau trotz aller widrigen Umstände und über alle Landesgrenzen hinweg ist legendär.

“Seit ich sie kennengelernt habe, war ihr Lachen mein Zuhause”

— Mourid Barghouthi über seine geliebte Frau Radwa

Mourid Barghouthi und seine über alles geliebte Frau Dr. Radwa Ashour. Beide sind nun verstorben.

Nach Abschluss des Osloer Abkommens wurde es dem Dichter Mourid von Israel gestattet, nach 30 Jahren des Zwangsexils sein Heimatdorf zu besuchen. Über diese Reise, seine Gedanken & Emotionen hat er eines seiner beliebtesten Bücher, „I saw Ramallah“ (Ich habe Ramallah gesehen), geschrieben.

1994, nach 17 Jahren des Zwangsexils aus Ägypten, konnte Mourid zu seiner Familie, Radwa und Tamim zurückkehren. Doch dieses Glück wehrte nicht ewig. Nach dem ägytptischen Militärputsch 2013, der den Diktator Al Sissi an die Macht brachte, musste Mourid zurück in sein ewiges Exil, bis es sein Herz nicht mehr ertrug. Vor wenigen Jahren verstarb seine Frau.

Von links nach rechts: Radwa, Tamim, Mourid.

Sein ganzes Leben hat Mourid Barghouthi dem politischen Kampf für die Freiheit Palästinas gewidmet und lautstark seine Stimme für ein unterdrücktes Volk und gegen weltweites Unrecht erhoben. Er war aber auch vor allem immer ein Dichter. Er hat über verschiedene Themen auf unterschiedliche Art und Weise geschrieben und verschiedene Techniken der Dichtung in die arabischen Poesie eingeführt, wofür er mehrere Preise und eine überwältigende Popularität in der arabischen Welt gewann. Einige seiner Werke wurden ins Englische, leider aber nicht ins Deutsche übersetzt.

Hier möchten wir euch folgende Bücher empfehlen:

1. “I Saw Ramallah” handelt, wie schon erwähnt, von seiner ersten Reise in die Heimat nach 30 Jahren Zwangsexil.

2. “I Was Born There, I Was Born Here” handelt von seiner zweiten Reise in die Heimat, nach Ramallah, die zugleich die erste für seinen jungen Sohn ist.

3. “Midnight and Other Poems” ist eine wundervolle Sammlung verschiedener Gedichte.

Ich las “Ich sah Ramallah” in Gaza in meinen frühen Zwanzigern, und ich erinnere mich, dass ich lächelte, als ich auf eine Zeile stieß, in der über die goldene Landkarte Palästinas nachgedacht wurde, die an einer goldenen Kette hing, “die die Kehlen der Frauen im Exil schmückte”. Er fragte sich, “ob kanadische Frauen oder Norwegerinnen oder Chinesinnen ihre Landkarten so um den Hals tragen wie unsere Frauen.” Mourid fuhr dann mit einem Gedankenstrom fort und versuchte zu verstehen, was unser Palästina und die Verbindung zu ihm einzigartig macht? Wie haben wir diese Liebe kultiviert? Ist es der Verlust oder die Demütigung, dass man es uns genommen hat? Unsere Lieder für Palästina sind nicht für irgendeine heilige Sache der Vergangenheit, sondern für unsere aktuelle Selbstachtung, die jeden Tag aufs Neue durch die Besatzung verletzt wird.” Er sprach zu uns in seinen Schriften, wir fühlten jedes Wort. — Shahd Abusalama, palästinensische Aktivistin

Mourid Barghouthis Heimat

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