Israel bombardiert erneut Gaza, in Jerusalem skandieren wieder Tausende „Tod den Arabern“ — Mittwoch, 16.06.2021

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Gestern fand der sogenannte „Flaggenmarsch“ in Jerusalem statt. Dabei wird der Beginn der Besatzung Ostjerusalems 1967 durch Tausende Israelis gefeiert. Die Besatzung & Annektion Ostjerusalems sind gemäß Völkerrecht illegal. Dieser Marsch fand erstmals 1974 statt & wurde von dem Rechtsradikalen & Gründer der Gush Emunim-Siedlerbewegung Yehuda Hazani ins Leben gerufen. Seit seinem Tod 1992 findet der Flaggenmarsch jährlich statt. Auch gestern marschierten Tausende Israelis, darunter Siedler*innen, Rechtsradikale & 2 Abgeordnete der Knesset (israelisches Parlament) von Westjerusalem aus in die Altstadt Ostjerusalems.

Stunden vorher verjagten israelische Soldat*innen palästinensische Einwohner*innen von den Straßen & Plätzen der Altstadt, zahlreiche wurden willkürlich verhaftet. Palästinensische Ladenbesitzer waren gezwungen, ihre Läden in der Altstadt zu schließen & verbarrikadieren, um ihre wirtschaftliche Grundlage vor Vandalismus durch die Marschteilnehmer*innen zu schützen — ein Erfahrungswert. Später zog eine aufgeheizte Menge von Israelis, Rechtsextremist*innen & Siedler*innen, lautstark & israelische Flaggen schwenkend gemeinsam mit Besatzungssoldat*innen durch die Altstadt. Sie skandierten laut Rufe wie „Tod den Arabern!“ & „Eure Dörfer sollen brennen!“ sowie Schmähsprüche gegen den muslimischen Propheten Muhammad.

Der gigantische Mob belästigte die palästinensischen Einwohner*innen & attackierte sie. Laut Angaben des Roten Halbmondes wurden mindestens 33 Palästinenser*innen verletzt, 6 mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Immer wieder schlugen sie gegen die verbarrikadierten Ladentüren der vielen palästinensischen Geschäfte sowie verriegelten Haustüren, sowohl, um sich Zugang zu verschaffen als auch zur Einschüchterung der Menschen, die in ihren Häusern & über den Wohnräumen der Geschäfte ausharrten & auf ein möglichst baldiges & glimpfliches Ende des rassistischen, gewaltbereiten Marsches hofften.

Einzelne Palästinenser*innen, die sich dem Meer aus Israel-Flaggen mit einer palästinensischen Fahne entgegenstellten, wurden sofort von israelischen Soldat*innen angegriffen, vor allem Frauen wurden hierbei besonders gewalttätig von den Besatzungskräften angegangen. Eine der Frauen, Hala Cherif, wurde wegen des Zeigens der palästinensischen Flaggen verhaftet & heute, nach Zahlung einer Geldstrafe von umgerechnet etwa 600 Euro freigelassen.

Der Flaggenmarsch sollte schon diesen Mai stattfinden. Er wurde gleich zu Beginn von Luftsirenen unterbrochen, als militante palästinensische Widerstandsgruppen Raketen aus Gaza gen Jerusalem abfeuerten, als Israel bewusst ein Ultimatum der Hamas verstreichen ließ, seine Provokationen gegen die Menschen in Jerusalem, v.a. in Sheikh Jarrah & der Al Aqsa-Moschee einzustellen. Der zweite wurde verschoben aus Angst vor den möglichen Reaktionen militanter palästinensischer Widerstandsgruppen.

Gruppen wie Hamas forderten zu Beginn der Woche Israel erneut auf, sämtliche Provokationen & Schikanen gegen Palästinenser*innen in Jerusalem zu unterlassen. Dennoch wurde der Flaggenmarsch von Israel genehmigt. Vorsorglich wurden Flugrouten zum & vom Ben Gurion-Flughafen in Tel Aviv/Jaffa umgelegt. Auch nach dem Ende des Flaggenmarsches hörten die Übergriffe der Besatzung gegen die palästinensischen Einwohner*innen nicht auf. Viele von ihnen wurden bis in die späten Abendstunden von Siedler*innen & Soldat*innen belästigt, teilweise auch quer durch die Straßen der Stadt gejagt & verfolgt. Eine Gruppe junger Palästinenser*innen, die das Damaskus-Tor zur Altstadt von dem hinterlassenen Müll der Marschteilnehmer*innen reinigen wollten, wurden von Soldat*innen daran gehindert, belästigt & ihnen die Besen gewaltsam entrissen.

Obwohl eine Reaktion militanter palästinensischer Widerstandsgruppen aus dem Gazastreifen auf die Ereignisse in Jerusalem ausblieb, flog die israelische Armee Luftangriffe gegen die seit 14 Jahren abgeriegelte Küstenenklave und brach somit erneut die im Mai vereinbarte Waffenruhe. In der Nacht zu Mittwoch wurden vor allem der südliche Gazastreifen als auch Khan Younis mehrfach aus der Luft bombardiert. Verletzt wurde niemand, dennoch stellt es eine ungemein psychische Belastung für die 2.2 Mio in Gaza eingesperrten Menschen dar — die letzten israelischen Bombenangriffe sind erst wenige Wochen her. Mehr als 248 Menschen, darunter 66 Kinder, haben im Mai durch israelische Luftangriffe auf Gaza ihr Leben verloren, über 1.900 wurden verletzt. Die Bombenangriffe der letzten Nacht mit tonnenschweren Bomben & bunkerbrechender Munition rechtfertigte Israel damit, dass Palästinenser*innen vom Grenzzaun Gaza/Israel aus mit Hilfe von Ballonen & Kinderdrachen offene Felder auf israelischer Seite anzündeten. Der Himmel über Gaza ist seit letzter Nacht durch permanentes, lautstarkes Summen israelischer Drohnen erfüllt.

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