Medizinische Vernachlässigung oder eine Kugel: wie Besatzung tötet- Weekly Summary, 25.09.2021

Man verweigert einem politischen Gefangenen den Arzt so lange, bis dieser letztlich nur noch unheilbaren Krebs diagnostizieren kann. Dank einem Kopfschuss muss ein 8 Monate altes Kind nun ohne Vater oder eine Erinnerung an ihn aufwachsen. Ein anderer kämpft mit dem einzigen, was er hat, für seine Freiheit aus Willkürhaft — seinem Körper: Fasfous hungert seit 71 Tagen. Einem palästinensischen Busfahrer stechen Siedler 3 Mal in den Rücken, danach will die israelische Polizei erst das Opfer verhaften & den Arzt verweigern. Das & mehr: Was in der Woche vom 16. — 22.09.2021 im historischen Palästina passierte

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Westjordanland

Getötet: Am Freitag, den 24.09., wurde Muhammad Khabisah (28) durch den Kopfschuss eines israelischen Besatzungssoldaten getötet. Dies geschah bei der gewaltsamen Niederschlagung eines Protests in besetzten Beita. Bei zahllosen Protesten gegen die dieses Jahr neu errichtete illegale jüdische Siedlung kamen in diesem Jahr bisher 7 Menschen ums Leben, darunter 2 Kinder. Immer wieder schießen die Soldat:innen mit scharfer Munition auf unbewaffnete Demonstrant:innen & zielen dabei auf Bauch & Kopf. Auch Khabisah erlitt 2 Wochen zuvor schon Verletzungen durch die Soldat:innen, die ärtztlich behandelt werden mussten. Die gestrige war nun tödlich. Muhammad Khabisah hinterlässt eine Frau & ein 8 Monate altes Baby.

Alltag: Die israelische Besatzungsarmee fiel diese Woche 104 Mal in Ortschaften des Westjordanlandes, einschließlich des besetzten Jerusalem, ein. Diese Übergriffe beinhalteten erneut willkürliche Razzien in zivilen Wohnhäusern, Verhaftungen sowie Schießereien der Soldat*innen, die Angst unter der Zivilbevölkerung hervorriefen. Während der Übergriffe in dieser Woche wurden 49 Palästinenser:innen verhaftet, darunter 14 Kinder.

Viele dieser Übergriffe der Besatzer stießen auf Widerstand der Bevölkerung, meist nur durch Steine & Feuerwerkskörper der Bewohner:innen, in einigen Fällen mit Molotow-Cocktails.

Jede Form von Protest gegen die völkerrechtswidrige Besatzung, Landraub & Vertreibung wurde von der Besatzung mit massiver Gewalt beantwortet, es kam zu zahlreichen Verletzten, darunter auch der Journalist Nasser Suliman Mohammed Shtayyeh (51). Er wurde von einem Gummigeschoss in den Kopf getroffen, das ein Soldat auf ihn abfeuerte, als er über die Zusammenstöße zwischen der Besatzungsarmee & Palästinenser:innen in Deir Al Hatab berichtete. Die Zusammenstöße begannen, nachdem Siedler begannen, die illegale völkerrechtswidrige Siedlung “Elon Moreh” auf palästinensischem Land weiter auszubauen.

Systematische Vertreibung: Am Dienstag, den 21. September 2021, musste der Palästinenser Ali Mohammed ‘Abeidiyah einen Teil seines Familienhauses in Jabal Al Mukaber, einem Vorort des besetzten Jerusalem, auf Beschluss der israelischen Stadtverwaltung unter dem Vorwand, keine Baugenehmigung zu haben, selbst abreißen. Baugenehmigungen verweigert die Besatzung Palästinenser:innen in nahezu allen Fällen, während sie gleichzeitig illegale Siedlungen für ausschließlich jüdische Israelis errichtet & nicht in arabische Infrastruktur investiert. Gleichzeitig werden zahlreiche palästinensische Wohnhäuser & Geschäfte zerstört & die Menschen so nicht nur entschädigungslos obdachlos gemacht, sondern auch ihrer wirtschaftlichen Grundlage beraubt. Die UN spricht in diesem Zusammenhang von Kriegsverbrechen.

Gleichzeitig begannen diese Woche israelische Siedler mit dem Bau einer Straße nahe dem besetzten Dorf Kisan östlich von Bethlehem, um die dortige illegale israelisch-jüdische Siedlung Ibei Hanahal mit der nahegelegenen Industriezone einer weiteren illegalen Siedlung zu verbinden. Die Straße darf nicht von Palästinenser:innen genutzt werden, befindet sich teils auf privatem palästinensischen Land & ist völkerrechtlich illegal. Die neue Straße würde Hunderte Dunam Land privaten palästinensischen Landes annektieren. Es sei darauf hingewiesen, dass die israelischen Siedler und die Besatzungsarmee vor kurzem das Dorf Kisan ins Visier genommen haben, da die israelischen Behörden nur wenige Stunden vor dem Angriff der Siedler auf die Ländereien des Dorfes einen Beschluss zur Beschlagnahme von 48.700 Dunam zugunsten der Einrichtung eines vermeintlichen Naturschutzgebiets erlassen haben. Die Vertreibung von Palästinenser:innen durch plötzliches Erklären von Naturschutzgebieten auf illegal besetzten Land ist keine neue Methode.

Siedlergewalt: Am Freitag, den 17.09. 2021, schlugen 3 Siedler den Busfahrer Mohammed Abu Nab (43)aus Silwan, südlich der besetzten Altstadt von Ost-Jerusalem, schwer zusammen, als dieser auf dem Rückweg von seiner Arbeit war. Sie stachen ihm außerdem dreimal in den Rücken, woraufhin er zur Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Abu Nab sagt, dass dieser Angriff nicht der erste seiner Art für palästinensische Fahrer war, da sie ständig rassistischen Angriffen ausgesetzt sind & beleidigt werden, nur weil sie Araber/Palästinenser sind. Abu Nab fügte hinzu, dass die israelische Polizei am Tatort eintraf & versuchte, ihn anstelle der drei Siedler zu verhaften, und ihn an der Erstversorgung hinderte. Er wurde ohnmächtig, nachdem er so stark geblutet hatte. Abu Nab sagte, die Stiche hätten ihn noch schwerer verletzen können, da sie sehr nahe an der Wirbelsäule lagen & ihm eine Halbseitenlähmung oder eine Verletzung eines seiner Organe hätten zufügen können.

Allein am Donnerstag, den 23.09., stürmten über 500 israelische Siedler in Begleitung des israelischen Militärs die Al Aqsa-Moschee, störten die religiöse Ruhe des Ortes, provozierten die Anwesenden & drückten erneut ihre Forderung aus, die Moschee zu zerstören, um dort den jüdischen Tempel Salomons “wieder”zuerrichten. Laut jahrzehntelangen archäologischen Ausgrabungen hat sich dort nie der salomonische Tempel befunden.

Politische Gefangene

6 palästinensische Gefangene befinden sich aktuell im Hungerstreik. Kayed Fasfous hungert seit nun 73 Tagen für seine Freiheit. Er befindet sich aktuell in Administrativhaft, also Willkürhaft ohne Nennung von Gründen, Beweisen oder Vorlage einer Anklage oder gar Gerichtsurteil. Sie ist beliebig oft verlängerbar. Sein Gesundheitszustand beginnt lebensbedrohlich zu werden, er hat über 35kg Gewicht verloren & leidet unter ständigen Schmerzen.

5 weitere Gefangene, die sich aktuell in Administrativhaft befinden, boykottieren die israelischen Besatzungsgerichte. Diese 5 haben bereits Jahre in Administrativhaft verbracht, einer von ihnen mehr als 15 Jahre, wenn sie zusammengerechnet werden. Die israelische Besatzung hat in diesem Jahr 869 Verwaltungshaftbefehle ausgestellt, darunter 4 Kinder.

80 Gefangene, die alle Mitglieder des Palästinensischen Islamischen Dschihad sind (5 von 6 der Gefangenen, die vor wenigen Wochen aus dem Gilboa Hochsicherheitsgefängnis geflohen sind, sind Mitglieder dieser Organisation), praktizieren in den Gefängnissen Ungehorsam. Seit der Flucht ihrer Kameraden wurden sie verschiedenen Straf, Isolations- sowie Foltermaßnahmen unterzogen, gegen die sie nun protestieren & fordern, dass wenigstens die Situation wiederhergestellt wird, die vor der Flucht ihrer Kameraden herrschte.

Der kürzlich freigelassene Häftling Hsussein Masalmeh starb nach einem langen Kampf mit Krebs. Hussein & seine Familie protestierten heftig gegen die medizinische Vernachlässigung, der er in seinem Gefängnis ausgesetzt war. Monatelang wurde ihm der Besuch von Ärzten sowie eine angemessene Untersuchung zum Stellen einer Diagnose & Behandlung verweigert. Als sich sein Zustand verschlechterte & endlich eine Diagnose gestellt wurde, war der Krebs bereits zu weit fortgeschritten.

Freiluft Gefängnis Gaza

Der Gazastreifen leidet immer noch unter der Totalblockade der israelischen Besatzung. Die totale Abriegelung hält nun das 15. Jahr in Folge an, mit katastrophalen Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens. Die Menschen dürfen ohne israelische Genehmigung weder ein- noch ausreisen, es darf nicht exportiert werden, importiert werden darf nur wenig, die Resultate sind Massenarbeitslosigkeit, ein kollabiertes Gesundheitswesen & Lebensmittelknappheit. Bis jetzt gibt Israel keinen Hinweis auf eine Lösung in der Zukunft, wodurch die Bevölkerung des Gazastreifens ihrer wirtschaftlichen, sozialen & kulturellen Rechte weiter beraubt wird.

Trotz im Mai 2021 verkündeter Waffenruhe: Die wöchentliche Angriffe auf Gazas Fischer blieben auch diese Woche nicht aus. Sechs Mal eröffneten Kanonenboote der israelischen Marine das Feuer auf Gazas Fischer. Die Fischer mussten zurück an die Küste fliehen & konnten folglich ihrer Arbeit nicht nachgehen. Auch Zivilisten an Land wurden attackiert: Zwei Mal schoss die israelische Armee auf Farmland im Gazastreifen & zwang die Farmer:innen zur Flucht.

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