Nur 1 Cent für 51 Menschenleben — Ein Spotlight zum Jahrestag von Kafr Qasim

Am 29.10.1956 töteten israelische Soldaten 49 wehrlose Palästinenser:innen, die Bürger Israels waren. Sie befanden sich nach einem langen Arbeitstag auf dem Heimweg in ihr Dorf “Kafr Qasim”. Das Massaker kostete außerdem einem Ungeborenen & sowie einem unter Schock stehenden Greis das Leben. Der Offizier, der die Befehle für das Massaker gab, wurde von einem israelischen Gericht zu einer Geldstrafe von einem 1 israelischen Cent verurteilt. Laut späteren Studien israelischer Historiker war das Massaker Teil eines Vertreibungsplans.

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Einige Hintergründe

Das kleine Grenzdorf mit weniger als 2.000 Einwohner:innen stand immer unter Militärherrschaft. Seit seiner Gründung unterstellte der israelische Staat bis 1966 alle Gebiete mit arabisch-palästinensischer Bevölkerung einer Militärregierung — obwohl sie offiziell Bürger:innen waren, galten sie als “feindliche Bevölkerung” in ihrem eigenen Land. Offiziere kontrollierten nahezu alle Aspekte des Alltags der Palästinenser:innen: das Verlassen des eigenen Dorfes oder der eigenen Stadt bedurfte einer Erlaubnis des zuständigen Militäroffiziers & es herrschte täglich ab 22:00 Uhr Ausgangssperre.

An diesem Tag griff Israel mit der Unterstützung weiterer Kolonialmächte, Großbritannien & Frankreich, überraschend Ägypten an, das an der westlichen Grenze lag. Auslöser war die Verstaatlichung der mehrheitlich britisch-französischen Suezkanal-Gesellschaft durch Ägypten. Israel hatte nun im Auftrag Großbritanniens & Frankreichs Ägypten angegriffen.
Einige israelische Truppen wurden an die Grenzen mit dem Westjordanland im Osten geschickt, was später als Manöver beschrieben wurde, um Verwirrung über die israelischen Pläne für den Krieg zu stiften.

Luftaufnahme von Kafr Qasim 1960. Oben rechts ist der Ort, an dem das Massaker statt fand. Foto: Survey of Israel

“Mäht sie nieder” — Das Massaker

Zu Beginn dieses neuen Krieges wurde die Ausgangssperre für die palästinensischen Dörfer an der Ostgrenze, darunter auch Kafr Qasim, verschärft. Sie sollte nun um 17:00 Uhr beginnen. Jeder Araber, der sich auf der Straße aufhielt, sollte erschossen werden. Erst eine halbe Stunde, bevor zum ersten Mal diese Ausgangssperre in Kraft treten sollte, wurde der Bürgermeister von Kafr Qasim überhaupt darüber informiert. Er teilte den israelischen Beamten mit, dass außerhalb des Dorfes Hunderte von Menschen bei der Arbeit seien & es keine Möglichkeit gebe, sie vor Beginn der Ausgangssperre zu benachrichtigen. Man versprach ihm, sich um sie zu kümmern.

Zuvor hatte der für das Gebiet zuständige israelische Offizier Shadmi alle ihm unterstellten Kommandeure des Grenzschutzbataillons versammelt & ihnen den Befehl erteilt, jeden Dorfbewohner, der gegen die Ausgangssperre verstößt, “bei Sichtkontakt zu erschießen”. Nach Erteilung des Befehls fragte der Kommandeur eines von Shadmis Bataillonen, Major Shmuel Malinki, der für die Grenzschutzeinheit im Dorf Kafr Qasim zuständig war, wie er sich gegenüber den Dorfbewohner:innen verhalten soll, die nichts von der Ausgangssperre wüssten. Malinki sagte später wie folgt aus:

“[Shadmi sagte], dass jeder, der sein Haus verlässt, erschossen wird. Es wäre am besten, wenn es in der ersten Nacht ‘ein paar solche’ gäbe & in den folgenden Nächten würden sie vorsichtiger sein. Ich fragte: Angesichts dessen kann ich verstehen, dass ein Guerilla getötet werden soll, aber was ist mit dem Schicksal der arabischen Zivilisten? Und sie könnten abends aus dem Tal, aus den Siedlungen oder von den Feldern ins Dorf zurückkommen & nichts von der Ausgangssperre im Dorf wissen — ich nehme an, ich soll an den Zugängen zum Dorf Wachen aufstellen? Darauf antwortete Oberst Issachar mit glasklaren Worten: “Ich will keine Sentimentalität & ich will keine Verhaftungen, es wird keine Verhaftungen geben”. Ich sagte: “Trotzdem?”. Darauf antwortete er mir auf Arabisch: “Allah Yarhamu”, was ich als Äquivalent zu dem hebräischen Satz “Gesegnet sei der wahre Richter” verstand, den man sagt, wenn man die Nachricht vom Tod eines Menschen erhält.

Malinki gab kurz vor der Verhängung der Ausgangssperre einen ähnlichen Befehl an die Reservekräfte seines Bataillons aus: “Während der Ausgangssperre darf kein Einwohner sein Haus verlassen. Jeder, der sein Haus verlässt, wird erschossen; es gibt keine Verhaftungen.”

“Auf diejenigen Bewohner:innen von Kafr Qasim, die kurz nach 17 Uhr in mehreren Wellen ahnungslos in ihr Dorf zurückkehrten, schossen die israelischen Soldaten aus allen Rohren. Ein Teil der palästinensischen Arbeiter:innen wurde von ihrem Lastwagen herunter geholt, in einer Reihe aufgestellt & hingerichtet. Etliche der heimkehrenden Palästinenser:innen überlebten dennoch, weil ihnen, zum Teil schwer verwundet, die Flucht gelang oder weil sie sich totstellten” [1].

Zwischen 17.00 & 18.30 Uhr tötete der in Kafr Qasim stationierte Zug unter der Führung von Leutnant Gabriel Dahan in neun separaten Schießereien insgesamt 19 Männer, 6 Frauen, 10 Teenager (14–17 Jahre), 6 Mädchen (12–15 Jahre) & 7 Jungen (8–13 Jahre), die es nicht vor der Ausgangssperre nach Hause geschafft hatten. Dies sind 48 Ermordete. “Im Ort selbst wurde ein 7-jähriger Junge vor seiner Haustür angeschossen & erlag, da er nicht versorgt werden konnte, am nächsten Morgen seinen Verletzungen. Sein 90-jähriger Großvater, der das Sterben des Kindes mitansehen musste, starb einen Tag später. Die Palästinenser:innen zählen zu den Opfern ebenso den Großvater des Jungen wie auch das ungeborene Kind einer erschossenen Frau, die im 8. Monat schwanger war. Insgesamt waren es nach dieser Zählung 51 Tote.” [1]

Ein Überlebender, Jamal Farij, erinnert sich, wie er mit einem Lastwagen mit 28 Insassen am Eingang des Dorfes ankam:

“Wir haben mit ihnen gesprochen. Wir fragten, ob sie unsere Personalausweise wollten. Das wollten sie nicht. Plötzlich sagte einer von ihnen: ‘Mäht sie nieder’ — & sie eröffneten das Feuer auf uns wie eine Flut.”

Ein israelischer Soldat, Shalom Ofer, gab später zu:

“Wir haben wie Deutsche gehandelt, automatisch, wir haben nicht nachgedacht”. Er hat aber nie Reue oder Bedauern für sein Handeln geäußert.

Die vielen Verletzten blieben unversorgt & konnten wegen der 24-stündigen Ausgangssperre nicht von ihren Familien versorgt werden. Die Toten wurden von Araber:innen, die zu diesem Zweck aus dem nahe gelegenen Dorf Jaljuliya geholt worden waren, eingesammelt & in einem Massengrab beigesetzt. Nach dem Ende der Ausgangssperre wurden die Verwundeten von der Straße geholt & mit Lastwagen in Krankenhäuser gebracht.

Jazi Isa, Mitglied des Organisationskomitees für die Gedenkstätte in Kafr Qasem (Photo: Tomer Appelbaum)

Hier ist nichts passiert oder wie man das Schweigen eines Staates bricht

Als die Nachricht von dem Massaker die Staatsführung erreichte, verhängte eine militärische Zensur ein totales Verbot für Zeitungsberichte über das Massaker sowie eine vollständige Belagerung des Dorfes selbst, so dass niemand das Dorf verlassen oder betreten durfte, auch nicht die Mitglieder der Knesset. Dennoch sickerten die Geschichten aus der Gegend durch. Das Massaker wurde erst am 13. November 1956 bekannt. Die erste Erwähnung eines Vorfalls erfolgte in den Zeitungen eine Woche nach dem Massaker am 6. November. In den Nachrichten hieß es: “Einige Araber wurden während der Ausgangssperre, die am 29. Oktober über diese Dörfer verhängt wurde, getötet & verletzt” & dass “eine Untersuchungskommission gebildet wurde, um die Ereignisse zu untersuchen”.

Der palästinensische Knessetabgeordnete Tawfiq Tubi von der Kommunistischen Partei Israels war der erste, der eine Untersuchung der Angelegenheit forderte. Die Knessetprotokolle wurden jedoch streng zensiert, so dass sie nicht veröffentlicht werden konnten. Selbst sein Antrag, das Thema auf die Tagesordnung der Knesset zu setzen, wurde abgelehnt. Um den Gerüchten über ein Massaker entgegenzuwirken, gab die Regierung eine vage Erklärung heraus, wonach einige Araber von den Soldaten getroffen worden waren, die eine Ausgangssperre verhängten, um Leben zu schützen, & dass eine Untersuchung & eine Entschädigung gezahlt werden würden.

Am 20. November 1956 schlichen sich die Knessetmitglieder Tawfiq Tubi und Mayer Flehner nach Kafr Qasim, um unter Ausnutzung ihrer parlamentarischen Immunität Zeugenaussagen zu sammeln & die Wahrheit herauszufinden. In den Zeugenaussagen wurden die Namen der Opfer & die Umstände ihrer Ermordung genannt & es wurde gefordert, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.

Die erste internationale Reaktion bestand darin, dass Radio Moskau die Einzelheiten des Massakers ausstrahlte & anschließend die Botschaft eines sozialistischen Landes das Memorandum von Tubi & Flehner an ihre Vertreter bei den Vereinten Nationen weiterleitete. Dort wurde es an die Mitglieder der Generalversammlung verteilt, & internationale sowie arabische Zeitungen begannen, die Nachrichten & Einzelheiten des Massakers zu veröffentlichen. Latif Douri, damals Aktivist der Mapam-Partei, war es gelungen, 3 Tage nach dem Massaker in das Dorf zu schleichen & die Aussagen der Verwundeten sowie von ihnen unterzeichnete Zeugenaussagen zu erhalten, die später zu den wichtigsten Dokumenten des Massakers gehörten.

Bilder von einigen der von Soldaten massakrierten. Foto: hadfnews.ps

“Das war ein Schauprozess”

Nach öffentlichen Protesten wurden 11 an dem Massaker beteiligte Grenzpolizisten & Soldaten vor einem Militärgericht wegen Mordes angeklagt. Im Oktober 1958 wurden 8 von ihnen für schuldig befunden & zu Gefängnisstrafen verurteilt. Malinki erhielt 17 & Dahan 15 Jahre Haft. Das Gericht legte großen Wert auf die grundsätzliche Verantwortung von Shadmi, obwohl dieser nicht zu den Angeklagten gehörte.

Shadmi wurde später ebenfalls angeklagt, aber in einer separaten Gerichtsverhandlung (Februar 1959) wurde er des Mordes für unschuldig befunden & nur der unbefugten Verlängerung der Ausgangssperre schuldig gesprochen. Seine symbolische Strafe, eine Geldstrafe von einem Grush (einem israelischen Cent), wurde zu einer Standardmetapher für das israelische Justizsystem. Die Tatsache, dass andere örtliche Befehlshaber erkannten, dass sie Shadmis Befehl nicht gehorchen mussten, wurde vom Gericht als einer der Gründe dafür angeführt, dass Dahans Behauptung, er habe keine andere Wahl gehabt, nicht stimmte.

Das Berufungsgericht (1959) reduzierte die Strafe von Malinki auf 14 Jahre & die von Dahan auf 10 Jahre. Der Generalstabschef reduzierte die Strafen schnell weiter auf 10 bzw. 8 Jahre, dann begnadigte der israelische Präsident Yitzhak Ben-Zvi viele & reduzierte einige Strafen auf jeweils 5 Jahre. Schließlich ordnete das Komitee für die Freilassung von Gefangenen den Erlass eines Drittels der Haftstrafen an, so dass alle Verurteilten im November 1959 aus dem Gefängnis entlassen werden konnten. Bald nach seiner Freilassung wurde Malinki befördert & mit der Sicherheit des streng geheimen Kernforschungszentrums im Negev betraut. Im Jahr 1960 wurde Dahan von der Stadt Ramla mit den “arabischen Angelegenheiten” betraut. Alle der Angeklagten wurden schnell rehabilitiert & bekamen ihren militärischen Rang wieder. Schon 1960 waren alle wieder frei, manche machten danach gar Karriere als hochrangige Sicherheitsbeamte.

Letzten Endes wurden alle begnadigt, keiner der Angeklagten hat seine ursprüngliche Strafe verbüßt — sie wurden 1959 verurteilt & noch im selben Jahr wieder entlassen.

Die Akten der Gerichtssitzungen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, sind nach wie vor unter Verschluss. Der israelische Historiker Adam Raz, der ein Buch über dieses Massaker veröffentlicht hatte, fand, “dass beide Verfahren offensichtlich dazu dienten, die politische & militärische Führung in Israel von jeder Verantwortung zu entlasten”. Aus den geführten Gesprächen zwischen Raz & Schadmi (2017) geht erstmals unzweifelhaft hervor, dass im Falle des Brigadekommandanten ein Scheinprozess inszeniert wurde, bei dem Ministerpräsident David Ben Gurion persönlich im Hintergrund die Fäden zog.

Ein Beispiel von einem “veröffentlichten” Dokument zum Fall Kafr Qasim. Foto: Akevot

Wie das Verfahren gegen die Soldaten sollte auch der Prozess gegen den Offizier Schadmi den Eindruck erwecken, dass die verhängnisvolle Befehlskette bei ihm begann & nicht von Ranghöheren ausging. Dass die für das Massaker verantwortlichen Soldaten & ihre direkten Vorgesetzten derart geschützt wurden, ist Raz zufolge auf den großen Einfluss zurückzuführen, den Ben Gurion & sein Mitstreiter, Generalstabschef Mosche Dayan, damals besaßen. Beide waren Befürworter einer harten Gangart gegenüber den einheimischen Araber:innen.” [1]

Mindestens ein weiterer Soldat meldete sich ebenfalls aus dem inszenierten Prozess zu Wort: Shalom Ofer, der zum Zeitpunkt des Massakers 25 Jahre alt war & befahl “Mäht sie nieder”. In einem späteren Interview 30 Jahre nach dem Massaker zeigte er keine Reue für das, was er getan hatte, & erklärte, dass der Prozess ihrer Inhaftierung ein Schauspiel war & ihre kurze Haftzeit eine bequeme war, in der sie verwöhnt wurden. Er enthüllte auch, dass die Angeklagten Vertraulichkeitserklärungen unterschrieben hatten. Hätten sie diese gebrochen, hätten sie für 15 Jahre inhaftiert werden können. Ofers Meinung nach war dies ein Versuch, zu verhindern, dass die Ermittlungen zu hochrangigen Führern wie Ben-Gurion & Moshe Dayan führten.

Operation Maulwurf

Obwohl etwa 1/3 der Gerichtsverhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, & die Mitschriften nie veröffentlicht wurden, konnten israelische Historiker erfahren, dass das Gericht Beschreibungen eines geheimen Plans mit der Bezeichnung Operation Maulwurf erhielt, um im Falle eines Krieges mit Jordanien die israelischen Araber:innen aus diesem Gebiet (dem so genannten Kleinen Dreieck, das ca. 20 % der gesamten arabischen Bevölkerung Israels ausmachte) zu vertreiben. Das Massaker war damit im Voraus geplant & Teil einer Operation, die zur Vertreibung der arabischen Israelis aus der Region führen sollte. Diese Vertreibung sollte auf die 8 Jahre zuvor im Jahr 1948 durchgeführte Vertreibung der Palästinenser:innen (“Al Nakba”) folgen. Ein solcher Krieg wurde als Chance gesehen, die “damals begonnene Arbeit” fortzusetzen.

Der Plan wurde zu dieser Zeit auf den Tisch gelegt & es wurden Übungen zu seiner Durchführung gemacht, dann wurde der Plan abgeblasen, um einen Krieg mit Jordanien zu vermeiden. Der israelische Journalist & Historiker Ruvik Rosenthal hatte die Einzelheiten dieses Plans in seinem Buch “Kafr Qassem: Geschichte & Mythos” veröffentlicht. Seine Recherchen zeigen, dass die Soldaten grundsätzlich von Operation Maulwurf wussten & daher die Schießbefehle in Kafr Qasim ernst nahmen. Da Schadmi & Malinki erst sehr spät erfuhren, dass diese Operation abgesagt wurde & sie keine detaillierten neuen Anweisungen erhalten hatten, entschieden sie sich, den bestehenden Befehlen zumindest in Teilen zu folgen — mit bekanntem Ausgang.

Raz hat jahrelang für die vollständige Freigabe dieses fast 70 Jahre alten Archivmaterials gekämpft — vergebens. Das Berufungsgericht des Militärs lehnte es aus “Staatssicherheit” ab. Als Etappenerfolg kann er immer hin die telefonisch gemachte Aussage der Leiterin des israelischen Militärarchivs Ilana Alon verbuchen: Zur Operation “Maulwurf” gebe es, sagte sie, im Archiv “ganze Aktenkisten”. [1]

Das Massaker war kein Fehler beim Verstehen der Befehle, sondern Teil eines bewussten militärischen Plans, der darauf abzielte, die Palästinenser:innen, die Bürger:innen des Staates Israel wurden, zu vertreiben.

Das palästinensisch-arabische Knesset-Mitglied Ibrahim Sarsur am Denkmal für die Opfer des Massakers in Kafr Qasim im Jahr 2007. (Michal Fattal/Flash90)

Geständnis & Halbe Entschuldigungen

Im Jahr 2007 entschuldigte sich der damalige israelische Staatspräsident Shimon Peres bei den Dorfbewohner:innen für das Massaker. Dies wurde 2021 von Staatspräsident Isaac Herzog wiederholt, der sich ebenfalls auf Arabisch entschuldigte. Dennoch hat keine der israelischen Regierungen die Verantwortung für das Massaker anerkannt oder sich dafür entschuldigt. Auch das israelische Parlament tat dies nicht.
Arabische Vertreter:innen in der Knesset haben wiederholt Gesetzesvorschläge unterbreitet, die Israel dazu auffordern, das Massaker anzuerkennen, von denen keiner von der Knesset ratifiziert wurde. Der letzte Vorschlag wurde im Oktober 2021 unterbreitet, wobei alle zionistischen Parteien von der extremen Rechten über die liberale Linke bis hin zu den Sozialdemokraten den Gesetzentwurf ablehnten (93 zu 12). Die Ablehnung überschritt dabei alle Koalitions-/Oppositions- & ideologischen Grenzen innerhalb der Knesset. Nur die palästinensischen Mitglieder der Knesset & die jüdischen Mitglieder der “arabischen Listen” stimmten für den Entwurf.

Das Gedenken

Seit 1956 gedenken die Einwohner:innen von Kafr Qasim & die Palästinenser:innen in Israel dieses Massakers. In Kafr Qasim ist dieser Tag zu einem offiziellen Gedenk- Trauertag für die Getöteten geworden. Die Gemeinde hat an dem Ort, an dem sie massakriert & hingerichtet wurden, eine Gedenkstätte & ein spezielles Museum eingerichtet, um an sie zu erinnern.

Ein Abschitt aus dem Film “Kafr Qasim” von Burhan Alawyeah 1974

Neben den Studien zur Aufarbeitung wurden in dieser Zeit auch viele Gedichte geschrieben. Die bekanntesten von ihnen stammen von den palästinensischen Dichtern in Israel, Tawfik Ziad, Samih Al Qassem & Mahmoud Darwish. Einige Zeilen von Darwish:

Der Lynch meines Unterdrückers
lehrte mich zu gehen, auch wenn ich blute
und zu gehen
und weiterzugehen…. Und zu widerstehen

Zeilen von Samih Al-Qassim:

Ich singe nicht für den Tod… Ich singe für die Hand, die sich noch wehrt

Zwei Gedichte zu Kafr Qasim in der Zeitung Al-Ittiha, 1999

Quellen & Weiterlesen

1- https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/massaker-an-palaestinensern-1956-operation-maulwurf-15858484.html
2- https://kafr-qasim-massacre.akevot.org.il/index-en.php
3- https://www.972mag.com/48-human-beings-were-massacred-and-we-have-forgotten-them/
4- “Kafr Qasim — Das Massaker & die Politik” — Emil Habibi (Arabisch- Masharef Magazin)https://web.archive.org/web/20170909005334/http://lib1.qsm.ac.il/articles/mjlat%20msharef/no.%204/2.pdf
5- https://mada-research.org/wp-content/uploads/2011/09/ebook-arabic-new.pdf
6- https://www.progressiveisrael.org/tom-segev-on-atrocity-at-kafr-kasem/

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