Palestinian Prison Break — Sonntag, 12.09.2021

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Am vergangenen Montag brachen 6 palästinensische Widerstandskämpfer aus dem Hochsicherheitsgefängnis Gilboa in Israel aus. Sie gelangten durch einen etwa 60m langen Tunnel in die Freiheit, den sie monatelang teilweise mit einem Löffel gruben.

Der Ausbruch der 6 Gefangenen stellt einen Schock für Israels Sicherheitssystem & Politelite dar. Israel reagierte mit Gewalt, Kollektivstrafen & Sippenhaft: Zahlreiche Verwandte der entflohenen Widerstandskämpfer wurden kurze Zeit später einfach verhaftet. Als die Besatzungsarmee in Araba, Jenin (Westjordanland), einrückte, um die Familien der 6 Geflohenen zu verhaften, versammelten sich Palästinenser:innen in der Gegend & warfen Steine auf die israelischen Militärfahrzeuge, um die Soldat:innen zu verjagen & die Familien zu schützen. Die Armee feuerte mit Kugeln, Tränengasgranaten & Blendgranaten zurück. Infolgedessen wurde der Teenager Mohammed N. Abu-Amira (16) durch ein Gummigeschoss am Kopf verletzt: Er erlitt einen Schädelbruch & Hirnblutungen. Sein Zustand wird als äußerst kritisch eingestuft. Außerdem wurde die unrechtmäßige Abriegelung des gesamten Westjordanlandes anlässlich eines jüdisches Feiertages einfach verlängert. Diese gilt ausschließlich für Palästinenser:innen, nicht jedoch für Israelis, die problemlos weiter ein- & ausreisen dürfen.

Auch die Gefängnisinsassen werden nun Repressalien & verbotenen Kollektivstrafen ausgesetzt & das nicht nur im Gefängnis in Gilboa, sondern auch Ramon, Megiddo etc.: Dutzende wurden/werden gefoltert, grundlos gefesselt & willkürlich in andere Zellen oder gar Haftanstalten verlegt. Familienbesuche sind allen politischen Gefangenen der Besatzung untersagt, die Gefängniskantinen geschlossen & Duschen für Gefangene stark reduziert. Immer wieder werden willkürlich die Zellen aller Gefangenen durchsucht.

Die Gefangenen begannen daher mit Widerstandsmaßnahmen. Sie beinhalten bspw. das Verweigerung der Kooperation bei der Ausführung der Verlegungsbefehle sowie das Verbrennen einiger Gefängniszellen, um das Personal zu beschäftigen & es zu zwingen, mehr Personal einzusetzen & somit von ihren Aufgaben sowie Folter abzuhalten. Der Knessetabgeordnete Itamar Ben-Gvir brachte nun einen Gesetzentwurf ein, der die Beschränkungen für palästinensische politische Gefangene in israelischen Gefängnissen verschärfen & ihnen maximal einen Besuch pro Jahr durch ein enges Familienmitglied gestatten würde.

Der Ausbruch der Gefangenen & die Repressalien Israels gegen palästinensische politische Gefangene lösten eine massive Welle der Solidarität unter Palästinenser:innen aus: Im Gazastreifen, dem Westjordanland sowie innerhalb Israels hielten sie Mahnwachen & Solidaritätskundgebungen ab & forderten eine Ende der Repressalien sowie Freiheit für alle Gefangenen. Das es 6 Gefangenen gelang, nur mit einem Löffel aus dem Hochsicherheitsgefängnis zu entkommen, wird von vielen Palästinenser:innen als ein Symbol für unerbittlichen Freiheitswillen sowie als ein Sieg gegen eine hochgerüstete, übermächtig erscheinende Besatzung gesehen.

Israelischen Kräften gelang es nach 4 Tagen am Freitag in der Nähe von Nazareth Mahmoud Arda & Yaaqob Qadri erneut zu verhaften, wenige Stunden später griffen sie auch Mohammad Arda & Zakaria Zubaidi auf. Neben Aufnahmen der Wiederverhaftung wurde schnell durch israelische Medien die Meldung verbreitet, dass das Aufgreifen der entflohenen “israelischen Arabern” zu verdanken sei, also palästinensischen Spionen. Israelische Zeitung schrieben, wie angeblich zahlreiche Palästinenser:innen mit israelischer Staatsangehörigkeit der Polizei ihre Hilfe bei der Jagd nach den Entflohenen anböten.

Haaretz schrieb gar davon, dass “die grüne Linie nun fester sei, als die Trennmauer” zwischen Israel & dem Westjordanland. Jedoch gibt es bisher keine belastbaren Beweise für die Behauptung, es seien Palästinenser:innen an der Ergreifung beteiligt gewesen. Im Gegenteil, die israelischen Medienberichte erscheinen hierzu äußerst widersprüchlich.

“Israelische Medien berichteten, dass eine palästinensische Familie aus Nazareth [die Polizei] über zwei Geflohene informierte, als diese die Familie um Essen baten, & dass sie sich aufgrund des Mangels an Nahrung & Unterkunft in einem sehr schlechten Zustand befanden. Die israelische Darstellung entbehrt jedoch jeder Grundlage & ist widersprüchlich, da Bilder & Videoaufnahmen der Gefangenen während ihrer Verhaftung sie in sauberer Kleidung & in sehr gutem Zustand zeigen.” — Tayaqqun

Laut Tayaqqun* verbreiteten israelische Medien das Bild eines jungen Mannes, der als israelischer Palästinenser identifiziert wurde & über zwei der freigelassenen Gefangenen berichtete. Es stellte sich jedoch heraus, dass der junge Mann, Imad Iddin Jabbarin aus Umm Al Fahem, von israelischen Streitkräften verhaftet wurde, als er an einer Solidaritätskundgebung für die Gefangenen teilnahm.

*Tayaqqun: eine palästinensische Seite, die Facebook auf Fake News untersucht

Währenddessen gehen die Solidaritätsproteste & Mahnwachen, die eine der Repression gegen & Freiheit für alle palästinensischen politischen Gefangenen fordern, weiter: Auf den Straßen & in den Universitäten im Westjordanland, dem Gazastreifen & innerhalb Israels.

Als die ersten beiden Geflohenen von Israel aufgegriffen wurden, drohten bewaffnete palästinensische Widerstandsgruppen: Sollte den wieder verhafteten etwas zustoßen oder die Repressalien gegen weitere Gefangene fortgesetzt werden, werde man dies nicht unbeantwortet lassen. U.a. der Islamische Jihad verkündete: “Jede Form der Gefährdung des Lebens der Gefangenen Mahmoud Al Ardah & Ya’qoub Qadiri ist eine Kriegserklärung”. Kurze später feuerte militante Organisationen eine Rakete aus dem Gazastreifen gen Israel ab, die jedoch von israelischen Raketenabwehrsystemen abgefangen wurde. Daraufhin bombardierte Israel 2 Nächte in Folge den abgeriegelten Gazastreifen.

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