Tod auf Demo & auf Baustelle - Weekly Summary, 27.03.2021

2 getötete Palästinenser & über 193 weitere Menschenrechtsverletzungen — was in der Woche vom 18.03. — 24.03.2021 im historischen Palästina geschah

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Besatzungsgewalt: Am 19.03.2021, wurde der Palästinenser Attef Hanaysha (45) auf einer friedlichen Demonstration gegen Landraub & Ausbau einer illegalen Siedlung im besetzen Dorf Beit Dajan durch einen israelischen Soldaten aus kurzer Entfernung per Kopfschuss getötet. Er war der Muezzin des Dorfes & hinterlässt mehrere Kinder. Bei einer anderen Demonstration nahe Nablus wurde ein weiter Demonstrant durch Soldaten schwer verletzt.

Die Beisetzung von Attef Hanaysha. 19.03.2021, Beit Dajan, besetzes Westjordanland. Bilder via Activestills

Jede Form von Protest gegen Besatzung, Landraub & Siedlungsbau wurde auch in dieser Woche mit Gewalt durch isr. Soldat*innen unterdrückt. Auch bei Angriffen von Siedlern auf pal. Ortschaften richteten isr. Soldat*innen die Waffen gegen sich wehrende Palästinenser*innen, wie in Beita nahe Nablus. Dabei wurde ein palästinensischer Sanitäter durch ein isr. Gummigeschoss verletzt. Der Sanitäter, zusammen mit Dutzenden von Palästinenser*innen, versammelten sich in der Gegend, um ihre Stadt gegen einen Angriff von Siedlern zu verteidigen.

Ein pal. Sanitäter wurde durch isr. Soldat*innen während eines Angriffs von Siedlern verletzt. 23.03.2021
Isr. Soldat*innen lauern pal. Demonstrat*innen im besetzten Beit Dajan auf & attackieren sie, die Bewohner*innen/Demonstrant*innen wehren sich. Besetztes Beit Dajan, Westjordanland, 26.03.2021

167 Mal fiel die isr. Armee in Ortschaften des Westjordanlandes, einschließlich Jerusalem, ein. Dabei wurden willkürlich 98 pal. Zivilisten verhaftet, darunter 6 Kinder. Die Besatzungsarmee führte dabei weiterhin ihre jahrzehntelange Praxis der willkürlichen Razzien in palästinensischen Ortschaften durch, die durch exzessive Gewaltanwendung, Übergriffe, Misshandlungen & Angriffe auf Zivilisten gekennzeichnet sind & meist nach Mitternacht & in den frühen Morgenstunden durchgeführt werden.

Israelische Besatzungstruppen nahmen am 25.03.2021 mehrere Palästinenserinnen in der Altstadt des besetzten Jerusalem, nahe der Al Aqsa-Moschee fest.
Willkürliche Verhaftung von Palästinenser*innen durch die Besatzung in Silwan, Jerusalem. 23.03.2021

Freiluftgefängnis Gaza: Der Gazastreifen leidet immer noch unter der Totalblockade der israelischen Besatzung. Die totale Abriegelung hält nun das 14. Jahr in Folge an, ohne jegliche Verbesserung des Personen- & Warenverkehrs, der humanitären Bedingungen & mit katastrophalen Auswirkungen auf alle Aspekte des Lebens. Die Menschen dürfen ohne israelische Genehmigung weder ein- noch ausreisen, es darf nicht exportiert werden, importiert werden darf nur wenig, die Resultate sind Massenarbeitslosigkeit, ein kollabiertes Gesundheitswesen & Lebensmittelknappheit.

Wie diese Woche die Menschenrechtsorganisation Al Mezan berichtet, werden in diesem 95 % der 2 Millionen Einwohner*innen des Gazastreifens durch die Besatzung bedingt keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. 97% des Wassers in der abgeriegelten Enklave sind nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation nicht für den menschlichen Verzehr geeignet.

Auch diese Woche attackierte isr. Militär pal. Zivilisten im Gazastreifen. Vier Mal wurde auf Bauern, die ihre Felder bewirtschafteten, geschossen, woraufhin sie fliehen mussten. 4 weitere Schüsse fielen gegen pal. Fischerboote.

Die israelische Luftwaffe bombardierte am frühen Mittwochmorgen mehrere Gebiete im dichtbesiedelten Gazastreifen. Es wurden dieses Mal keine Verletzten gemeldet. Laut isr. Medien habe der palästinensische Widerstand während eines Besuchs des isr. Premierministers Netanyahu in der Stadt Bir Al Sabi’ eine Rakete auf diese abgefeuert. Videoaufnahmen zeigen, wie Netanyahu nach dem Ertönen von Sirenen aus einem Restaurant flüchtete.

Isr. Bomben fielen auf den durch Israel seit 14 Jahren belagerten Gazastreifen. 24.03.2021

Systematische Vertreibung aus dem Westjordanland: Auf Geheiß der Besatzung wurden 4 pal. Familienhäuser in Jerusalem abgerissen, die Familien sind nun obdachlos. Die illegitimen Abrisse werden von der Besatzung mit “fehlenden Baugenehmigungen” begründet — diese werden jedoch Palästinenser*innen grundätzlich verweigert, genauso wie sie keine Infrastruktur für die besetzte pal. Bevölkerung schafft. Auf diese Art & Weise soll die indigene pal. Bevölerkung schrittweise vertrieben werden. Die UN verurteilt diese Praxis seit Jahren.
Der Palästinenser Husam Abu Salam aus der Arraba, südlich von Jenin, wurde diese Woche 72h vorher von der Besatzung darüber informiert, dass er seine Lebensgrundlage verlieren wird — durch einen Abriss seiner Autowerkstatt durch die israelischen Armee.

Darüber hinaus wurden auf Befehl des israelischen Militärs 17500m² Land im besetzten Salfit für den Bau von Straßen zu illegalen Siedlung beschlagnahmt.
Der israelische Sender Channel 21 strahlte am Montag, einen Tag vor den isr. Wahlen, ein Live-Interview mit Knesset-Kandidaten in der besetzten pal. Gemeinde Khan Al Ahmar aus, das mehrmals von isr. Soldat*innen niedergerissen wurde. Die Knessetkanditaten, die hier interviewt wurden,versprachen, die pal. Bewohner*innen zugunsten israelischer Siedler gewaltsam zu vertreiben. Wir werden dieses Wochenende gesondert über die isr. Wahlen und deren Ergebnisse berichten.

Interview mit Knessetabgeordneten einen Tag vor der Wahl — geführt im besetzen Westjordanland in der von Vertreibung bedrohten Gemeinde Khan Al Ahmar.

Siedlergewalt: Siedler setzten 2 pal. Fahrzeuge in Jerusalem in Brand, zerstörten 2400 Olivenbaumsetzlinge in Ramallah & entwurzelten 25 Olivenbäume in Nablus, um pal. Bauern zu zermürben & ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen.

Keine Bewegungsfreiheit auf eigenem Land: Die Besatzung errichtete 75 neue temporäre Militärcheckpoints im Westjordanland & verhaftete 6 palästinensische Zivilisten an diesen Kontrollpunkten. Insgesamt giobt es 705 permanente Militärcheckpoints. Sie alle schränken massiv die Bewegungsfreiheit von Palästinenser*innen ein. Israelis, einschließlich Siedler, sind hiervon nicht betroffen, u.a. haben sie dafür eigene Straßen, die nur sie benutzen dürfen.

Die israelischen Besatzungsbehörden haben am 22.03.2021 die Straße, die das Dorf Beit Iksa im besetzten Westjordanland mit dem besetzten Jerusalem verbindet, mit einer Metall & Stacheldraht abgesperrt.
Die israelische Besatzungsarmee hat am 23.03.2021 die Eingänge zum Dorf Nabi Saleh im besetzten Westjordanland geschlossen.

Palästinenser*innen in Israel: Beim Feiern der 6 Knesset-Sitze, die die rechtsradikale Partei der Kahanisten in den isr. Wahlen gewonnen haben, terrorisierten jüdische Israelis über Nacht eine Stadt mit palästinensischen Bürgern Israels, sabotieren & besprühen Dutzende von Fahrzeugen & erklärten, was sie bald mit deren Besitzern vorhaben: “Vertreiben oder töten”.

“Vertreiben oder Töten”

Der palästinensische Arbeiter Muhammad Abu Dalal starb diese Woche in Tel Aviv, nachdem er in einen Fahrstuhlschacht stürzte, als ihn die israelische Polizei verfolgte, weil er versuchte, ohne Erlaubnis zu arbeiten. Viele palästinensische Arbeiter*innen versuchen, innerhalb Israels zu arbeiten, weil die schlechte wirtschaftliche Situation in den besetzten Gebieten, hauptsächlich durch die Besatzung verursacht, ihnen keine Lebensgrundlage bietet. Die Erteilung einer Erlaubnis kann oft ein politisches Werkzeug oder Mittel der Erpressung sein (“spioniere für uns, dann bekommst du eine Arbeitserlaubnis”), was viele palästinensische Arbeiter*innen dazu bringt, illegal & ohne jeglichen Schutz ihrer Rechte zu arbeiten. Wenn sie erwischt werden, können sie verhaftet werden & eine sehr erniedrigende Behandlung erleiden.

Muhammad Abu Dalal

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