Wieder 2 Erschossene: Friede ist nicht Abwesenheit von Krieg — Dienstag, 25.05.2021

Brüchige Waffenruhe: 2 Palästinenser getötet von israelischen Soldat*innen, ein 15-jähriger Palästinenser von Siedler schwer verwundet, israelische Soldat*innen attackieren erneut Betende in Al Aqsa-Moschee | Israel: Polizei stürmt Wohnungen: 48-stündige Verhaftungskampagne gegen palästinensische Staatsbürger*innen Israels — mind. 250 schon verhaftet

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Brüchige Waffenruhe — wieder 2 Tote: Der Palästinensische Teenager Zudi Taweel (17) wurde gestern von Soldat*innen im von einer illegitimen Zwangsräumung bedrohten Viertel Sheikh Jarrah (Jerusalem) erschossen. Nach Angaben der israelischen Polizei stach er auf einen israelischen Soldaten & einen Siedler ein, ihre Verletzungen sind jeweils mittelschwer & schwer. Videoaufnahmen zeigen, wie Taweel wegrennt & dann von hinten erschossen wird.

Zudi Taweel (17)

Später, am selben gestrigen Abend, wurde der Palästinensische Junge Nadeem Mazloom (15) von einem Siedler in der Westbank angeschossen. Israelischen Medien verbreiteten widersprüchliche Nachrichten: Während einige sagten, er habe versucht, jemanden zu erstechen, behaupteten andere, die Armee habe ihn angeschossen, weil er Steine geworfen habe. Laut Augenzeugen hat ein Siedler aus einer benachbarten illegalen Siedlung aus nicht erkennbaren Gründen das Feuer auf ihn eröffnet. Der junge wurde ins Krankenhaus gebracht, sein Zustand scheint derzeit stabil.

Gestern Abend wurde Ahmad Jamil Al-Fahd Abuarab (23) im besetzten Ramallah von israelischen Spezialkräften erschossen, als diese plötzlich die Stadt stürmten. Er wurde angeschossen & blutend zurückgelassen, erste Hilfe von einfallenden Soldat*innen nicht geleistet. Er verblutete & wurde heute Nachmittag beigesetzt.

Die Beerdigung von Ahmad Jamil Al-Fahd, Ramallah, 25.05.2021

Brüchige Waffenruhe — wieder Gewalt: Dutzende jüdische Siedler, flankiert von schwer bewaffneten israelischen Spezialkräften & Soldat*innen, betraten am frühen Morgen des 23. Mai das Gelände der Al Aqsa-Moschee im völkerrechtswidrig besetzten Jerusalem. Dies geschah nur wenige Stunden nachdem palästinensische Gläubige von der israelischen Polizei geschlagen & angegriffen worden waren. Laut der palästinensische Nachrichtenagentur WAFA wurden Palästinenser*innen angegriffen, die das Morgengebet in der Moschee verrichteten & von den israelischen Besatzungskräften “exzessiv geschlagen”, um den Weg für israelisch-jüdische Siedler frei zu machen, die das Gelände — die drittheiligste Stätte des Islam — stürmen wollten. Mindestens 6 Palästinenser wurden verhaftet, darunter Fadi Alyan, ein Wächter der Al-Aqsa-Moschee, der versuchte, den Vorfall zu filmen. Die israelische Polizei verbietet nun gläubigen Muslimen unter 45 Jahren den Zutritt zur Moschee.

Al Aqsa-Mochee, besetztes Jerusalem, 23.05.2021

Der Vorfall ereignete sich während eines brüchigen Waffenstillstands im belagerten Gazastreifen, Tage nach dem Ende einer massiven 11-tägigen israelischen Bombenkampagne, bei der mindestens 248 Menschen, darunter 66 Kinder, getötet wurden. Schon am Freitag, wenige Stunden nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands stürmte die israelische Polizei nach dem Freitagsgebet das Gelände der Al-Aqsa-Moschee.

In den letzten Tagen haben israelische Siedlergruppen &Rechtsextremisten in den sozialen Medien dazu aufgerufen, jüdische Gläubige auf das Gelände zu lassen. Das Ziel dieser Gruppen ist es, den dritten jüdischen Tempel auf dem Gelände der Al Aqsa-Moschee wieder aufzubauen. Unter dem 1967 bestätigten Status quo können nur Muslime innerhalb des Geländes der Al Aqsa-Moschee & des Felsendoms beten. Palästinenser*innen befürchten, dass Israel plant, das Gelände irgendwann zu übernehmen oder zu teilen & somit seine weitere erstrebte Landnahme im völkerrechtswidrig besetzten & annektierten Jerusalem durchzusetzen.

Israel: Seit der Nacht zum Montag stürmen schwerbewaffnete israelische Polizist*innen die Wohnungen palästinensischer Familien in Israel & Jerusalem. Die auf 48 Stunden angelegte Operation gilt nach Polizeiangaben der Festnahme von 500 Palästinenser*innen mit israelischer Staatsangehörigkeit, die in den letzten Wochen anAusschreitungen beteiligt gewesen sein sollen. Mindestens 250 Palästinenser*innen wurden bis jetzt verhaftet. Teilnehmer*innen rechtsradikaler jüdischer Mobs, die unter dem Rufen wie “Tod den Arabern” marodierend durch vorwiegend von Palästinenser*innen mit israelischer Staatsangehörigkeit bewohnte Stadtviertel gezogen waren, müssen indessen keine solchen Festnahmen befürchten. Zahlreiche palästinensische Staatsbürger*innen Israels hatten in den letzten Wochen gegen ihre systematische & gesetzliche Diskriminierung protestiert sowie in Solidarität mit den unter Besatzung lebenden Palästinenser*innen im Westjordanland, besonders in Sheikh Jarrah, sowie denen in Gaza, die 11 Tage lang schweren israelischen Luftangriffen schutzlos ausgeliefert waren. Als Zeichen der Solidarität gab es ebenso einen mehrtägigen Generalstreik in Israel & den besetzten palästinensischen Gebiet, um den gemeinsamen Schulterschluss öffentlich zu zeigen. In Lydda (Lod) eskalierte die Gewalt zeitweise— es kam zu gegenseitigen Übergriffen zwischen jüdischen Israelis & Palästinenser*innen.

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