Wir sind die Christen Palästinas: Das Schweigen ist eine Sünde

Schrei nach Hoffnung: Aufruf zur Entscheidung und zum Handeln

“Wir können nicht Gott dienen und gleichzeitig zur Unterdrückung der Palästinenser schweigen!”

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Kairos* Palästina sowie die weltweite Koalition Globaler Kairos für Gerechtigkeit haben einen “dringenden Aufruf an Christen und Christinnen, Kirchen und ökumenische Organisationen” veröffentlicht. Dieser schleißt sich einem Dokument aus dem Jahr 2009 an, das mehr als 3000 prominente palästinensische Christ*innen unterzeichneten.

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Christliche Palästinenser*innen

Der neue, vor kurzem veröffentlichte Aufruf, gerichtet an Christ*innen weltweit, benennt das Nationalstaatsgesetz Israels und die durch die USA ergriffenen Maßnahmen als das Ende für die bisherigen Friedensillusionen der Weltmächte:

„Wir haben einen kritischen Punkt im Kampf für die Beendigung der Unterdrückung des palästinensischen Volkes erreicht […] Es ist Zeit für die Internationale Gemeinschaft anzuerkennen, dass Israel ein Apartheidsstaat im Sinn des Völkerrechts ist.

Auch das Schweigen ist eine Sünde

Indem wir diese Realität anerkennen, sehen wir, dass es als Jesus Nachfolgende an uns ist, entschieden zu handeln. Das Kirchesein der Kirche, die Integrität des christlichen Glaubens und die Glaubwürdigkeit des Evangeliums stehen auf dem Spiel. Wir erklären, dass die Unterstützung der Unterdrückung des palästinensischen Volkes, sei es aktiv oder passiv, durch Schweigen, mit Worten oder Taten, Sünde ist.“

Mit deutlichen Worten richten sich die palästinensischen Christ*innen gegen den christlichen Zionismus:

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Die Lage ist mehr als dringlich

„Als Christen und Palästinenser wenden wir uns an…unsere christlichen Brüder und Schwestern in den Kirchen in aller Welt […] Die Lage ist mehr als dringlich. Wir stehen an der Schwelle eines katastrophalen Kollapses. Dies ist nicht eine Zeit für schale Diplomatie, ihr Christen!“

Konkrete Forderungen — Zum Beispiel BDS:

„Wir laden unsere Mitchristinnen und Mitchristen, Ortsgemeinden, Kirchen und internationale ökumenische Organisationen ein, unser gemeinsames Zeugnis anzunehmen und zu beantworten, dem Prozess des Bekennens beizutreten und selber Prozesse zu initiieren mit dem Ziel, die Unterdrückung der Palästinenser und Palästinenserinnen sowie den Missbrauch der Bibel zur Rechtfertigung dieses Unrechts in aller Form zu verwerfen und sich zu folgenden Aktionen zu verpflichten:

- Theologien und Bibelverständnisse zu studieren und kritisch zu beurteilen, die zur Rechtfertigung der Unterdrückung des palästinensischen Volks benutzt werden.

- Eine Theologie vorzustellen, die prophetisch zu einer inklusiven Vision des Landes für Israelis und Palästinenser aufruft und so bekennt, dass der Schöpfergott ein Gott der Liebe, der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, nicht aber der Diskriminierung und Unterdrückung ist.

- Das palästinensische Recht zum Widerstand zu bekräftigen und an die Seite der Palästinenser in ihrem kreativen und gewaltfreien Widerstand zu treten. Der palästinensische Aufruf zum Boykott, Desinvestition und Sanktionen (BDS) von 2005 bietet einen Rahmen (…) als gewaltfreies Mittel, die Besatzung und Unterdrückung zu beenden.

- Die Regierungen und internationalen Institutionen aufzufordern, politische, diplomatische und wirtschaftliche Mittel einzusetzen, um Israels Verletzungen der Menschenrechte und des Völkerrechts zu beenden.

- Dem Antisemitismus durch Arbeit für Gerechtigkeit und gegen Antijudaismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ebenso wie der Gleichsetzung von Kritik am Unrechthandeln des Staates Israel mit Antisemitismus entgegenzutreten.

- Gemeinsame Initiativen von Israelis und Palästinensern sowie interreligiöse Partnerschaften zu unterstützen, die gegen Apartheid und Besatzung kämpfen und Gelegenheiten schaffen, für eine gemeinsame Zukunft gegenseitigen Respekts und der Würde einzutreten.

- „Kommt und seht“ die Realität im Heiligen Land mit Augen, die Mitgefühl für die Leiden der Palästinenserinnen und Palästinenser haben.

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Die erste Seite des Aufrufs

Die Liebe, um Unterdrücker und Unterdrückte zu befreien

Im letzten Abschnitt betont der Aufruf sein Ziel:

“Wir machen diesen Aufruf aus Sorge für die Zukunft beider Völker. In der Sprache von Kairos Palästina ist er in der Logik der Liebe verwurzelt, die danach trachtet, sowohl Unterdrücker und Unterdrückte zu befreien, um eine neue Gesellschaft für alle Menschen des Landes zu schaffen. Wir halten weiter an der Hoffnung fest, die im Kairos Dokument ausgedrückt wird, dass Palästinenser und Israelis eine gemeinsame Zukunft haben.”

Der vollständige Aufruf ist hier zu finden: https://occupied-news.medium.com/schrei-nach-hoffnung-aufruf-zur-entscheidung-und-zum-handeln-3cefbac7ac57

*Kairos (altgriechisch Καιρός) ist ein religiös-philosophischer Begriff für den günstigen Zeitpunkt einer Entscheidung, dessen ungenutztes Verstreichen nachteilig sein könnte. In der griechischen Mythologie wurde der günstige Zeitpunkt als Gottheit personifiziert.

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